Boulevard des Films

Die Brandenburger Straße (2025)

Der Boulevard des Films entsteht als thematische Fußgängerzone in der Stadt Potsdam. Seit 2024 werden in die Pflasterung der Brandenburger Straße quadratische Platten aus Granit eingearbeitet. Diese sollen insgesamt 55 Filme ehren, die in Potsdam und der Region produziert wurden.[1][2]

Hintergrund

Die Filmgeschichte von Potsdam und dem heutigen Stadtteil Babelsberg beginnt im frühen 20. Jahrhundert.[3] Im Auftrag der Deutschen Bioscop GmbH suchte Filmpionier Guido Seeber nach einem Studiogelände außerhalb von Berlin. Dabei erlangte das Villenviertel Neubabelsberg seine Aufmerksamkeit. Er stellte im Oktober 1911 den Bauantrag für ein Glasatelier und so konnten die Dreharbeiten zu Der Totentanz am 12. Februar 1912 beginnen. Hiermit legten Seeber und die Bioscop GmbH den Grundstein des Filmstudios Babelsberg.[4]

Im Laufe der Zeit siedelten sich weitere Produktionsunternehmen (u. a. UFA und DEFA) an und führten den Standort gemeinsam durch fünf Schaffensphasen deutscher und europäischer Filmgeschichte.[3] Neben den Studios wird auch Potsdam wiederkehrend zur Kulisse von Film- und Fernsehproduktionen. Darunter zählen beispielsweise Der blaue Engel mit Marlene Dietrich oder Metropolis von Fritz Lang.[5]

Für den historischen Hintergrund und eine beständige Attraktivität für nationale sowie internationale Produktionen wurde die Stadt von der UNESCO ausgezeichnet. Seit dem 30. Oktober 2019 trägt Potsdam den Titel UNESCO Creative City of Film.[6][5]

Der Boulevard des Films soll einen Teil dieser Geschichte im Zentrum der Stadt sichtbar machen.[3]

Umsetzung

Das Konzept für den Boulevard des Films wurde im Zusammenhang mit den ersten Plänen zur Rekonstruktion der Brandenburger Straße im Jahr 2018 entwickelt. Die Stadt konkretisierte das Projekt mit ihrer Bewerbung um den Titel UNESCO Creative City of Film.[7] So wird sich der Boulevard auf die in Potsdam entstandenen Werke fokussieren, nicht auf Personen.[3]

Eine Jury ausgewählter Personen beschäftigte sich mit verschiedenen Gestaltungsentwürfen. Diese entschied sich für die Darstellung der Filmtitel mit Produktionsjahren und dem Logo der UNESCO Creative City of Film. Insgesamt 55 Werke sollen mit den 80 × 80 Zentimeter großen Granitplatten geehrt werden.[3]

Die Sanierungsarbeiten der Straße begannen im Jahr 2021. Die ersten Granitplatten wurden am 4. Juli 2024 vom Oberbürgermeister der Stadt Potsdam, Mike Schubert, und dem ortsansässigen Regisseur Andreas Dresen enthüllt.[3][2]

Auswahlkriterien

Die Entscheidung über die zu würdigenden Filme unterlag einer Expertenjury, unter der Leitung von Chris Wahl. Im Januar 2021 wurden die Mitglieder vom Oberbürgermeister der Stadt berufen und haben verschiedene Werke aus Potsdam bewertet. Dabei waren folgende Kriterien zu berücksichtigen:

  • die Bedeutung für den Standort
  • die gesellschaftliche Relevanz
  • der Publikumserfolg und Kultcharakter des Films
  • eine besondere künstlerische oder technische Leistung und
  • Auszeichnungen und Preise für die Werke.[3]

Gewürdigte Filmtitel

Diese Liste enthält alle geplanten Granitplatten mit den Werken bis 2017.[3][2]

Nr. Filmtitel Produktionsjahr Bild
Kaiserzeit bis 1919
1 Der Totentanz 1911 / 1912
2 Der Student von Prag 1913 –
Weimarer Republik bis 1933
3 Madame Dubarry 1919 –
4 Fridericus Rex 1921 / 1923 –
5 Die Nibelungen 1922 / 1924 –
6 Der letzte Mann 1924
7 Die Abenteuer des Prinzen Achmed 1926 –
8 Metropolis 1925 / 1926 –
9 Die drei von der Tankstelle 1930 –
10 Der blaue Engel 1930 –
11 Emil und die Detektive 1931
12 Mädchen in Uniform 1931 –
13 Der Kongress tanzt 1931 –
Zeit des Nationalsozialismus bis 1945
14 Amphitryon 1935 –
15 Frauen sind doch bessere Diplomaten 1941 –
16 Münchhausen 1942 / 1943 –
17 Die Feuerzangenbowle 1943 / 1944
18 Unter den Brücken 1945 –
DDR-Zeit bis 1990
19 Potsdam baut auf 1946 –
20 Die Mörder sind unter uns 1946 –
21 Das kalte Herz 1950 –
22 Der Untertan 1951 –
23 Die Geschichte vom kleinen Muck 1953 –
24 Du und mancher Kamerad 1954 / 1956 –
25 Der geteilte Himmel 1963 / 1964 –
26 Das Kaninchen bin ich 1965 –
27 Die Söhne der großen Bärin 1965 –
28 Jahrgang 1945 1966 / 1990 –
29 Spur der Steine 1966
30 Ich war neunzehn 1967 / 1968 –
31 Heißer Sommer 1968 –
32 Der Dritte 1971 –
33 Die Legende von Paul und Paula 1972 / 1973 –
34 Drei Haselnüsse für Aschenbrödel 1972 / 1973 –
35 Eolomea 1972 –
36 Jakob der Lügner 1974
37 Bis dass der Tod Euch scheidet 1979 –
38 Solo Sunny 1978 / 1980 –
39 Das Fahrrad 1981
40 Moritz in der Litfaßsäule 1983 –
41 Hinter den Fenstern 1984 –
42 Die Frau und der Fremde 1985 –
43 Coming Out 1988 / 1989 –
44 Die verriegelte Zeit 1990 –
45 Im Durchgang – Protokoll für das Gedächtnis 1990 –
Gegenwart bis 2017
46 Sonnenallee 1999
47 Duell – Enemy at the Gates 2001 –
48 Der Pianist 2002 –
49 V wie Vendetta 2005 –
50 Der Vorleser 2008 –
51 Inglourious Basterds 2009 –
52 Halt auf freier Strecke 2011
53 The Grand Budapest Hotel 2014 –
54 Bridge of Spies – Der Unterhändler 2015
55 Babylon Berlin 2017 –

Siehe auch

Commons: Boulevard des Films – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Boulevard des Films | Landeshauptstadt Potsdam. In: Potsdam.de. Landeshauptstadt Potsdam, abgerufen am 5. Oktober 2025.
  2. ↑ a b c Pressemitteilung Nr. 284 | Auftakt für den Boulevard des Films | Landeshauptstadt Potsdam. In: Potsdam.de. Landeshauptstadt Potsdam, 3. Juli 2024, abgerufen am 5. Oktober 2025.
  3. ↑ a b c d e f g h Boulevard des Films. In: POTSDAMER – Magazin der Havelregion. Vers1 Medien GmbH, 18. Juli 2023, abgerufen am 5. Oktober 2025.
  4. ↑ Holger Hühn, Isabella Hopp: Studio Babelsberg Das deutsche Hollywood. Hrsg.: contentplus communications GmbH. epubli GmbH, Augsburg 2012, ISBN 978-3-8442-1782-7, S. 16.
  5. ↑ a b Potsdam – erste UNESCO Kreativstadt des Films in Deutschland | Landeshauptstadt Potsdam. In: Potsdam.de. Landeshauptstadt Potsdam, abgerufen am 5. Oktober 2025.
  6. ↑ UNESCO Cities of Film_Potsdam. In: Citiesoffilm.org. Abgerufen am 5. Oktober 2025 (britisches Englisch).
  7. ↑ Potsdam: Boulevard des Films. In: Stummfilm Magazin. Frank Hoyer, 6. Juli 2024, abgerufen am 5. Oktober 2025.