Cyclocross-Weltmeisterschaften 2013

Die Cyclocross-Weltmeisterschaften 2013 fanden am 2. Februar im US-amerikanischen Louisville statt. Es war die 64. Austragung der Weltmeisterschaften und die erste außerhalb Europas.

Ablauf

Marianne Vos auf dem Weg zu ihrem sechsten WM-Titel.

Der Radsport-Weltverband UCI hatte die Veranstaltung drei Jahre zuvor an Louisville vergeben.[1] Die Bewerbung der USA kam nach den Erfolgen von Jonathan Page und Katherine Compton in den Jahren zuvor zustande. Veranstaltungsort war der eigens als Cyclocross-Anlage gestaltete und im Oktober 2010 eröffnete[2] Eva Bandman Park am Zusammenfluss von Ohio River und Beargrass Creek. 2012 richtete Louisville die Cyclocross-Weltmeisterschaften der Masters am selben Ort aus.[3] Auch 2013 war Louisville Ausrichter der Masters-WM, die diesmal in den Tagen vor der Hauptveranstaltung im anderthalb Kilometer entfernten Champions Park stattfanden.[4]

Die Weltmeisterschaften sollten eigentlich wie üblich zwei Tage dauern. Wegen befürchteter Überschwemmungen durch den steigenden Wasserstand des Ohio Rivers wurde das Programm kurzfristig auf einen Tag kondensiert.[5] Die Wettkämpfe wurden von den Junioren eröffnet, es folgten die Frauen, dann die U23 und schließlich die Männer-Elite.

Vertreter von 20 Landesverbänden beteiligten sich an den Wettkämpfen, was nur wenig unter dem Schnitt der vergangenen Jahre lag. Allerdings entsandten die meist europäischen Mannschaften kleinere Teams als sonst, so dass das Teilnehmerfeld mit 151 Fahrern um ein Drittel kleiner als in den Jahren davor und danach war.[6] Morgens herrschten noch Minusgrade, und der Parcours war vom Schnee bedeckt, der während der Nacht gefallen war und im Laufe des Tags taute. Der 2.780 m lange Parcours wurde von den Junioren und den Frauen sechsmal zurückgelegt, von der U23 siebenmal und von der Männer-Elite neunmal. Etwa 10.000 Zuschauer verfolgten das Geschehen vor Ort.[7]

Ergebnisse

Junioren

Platz Name Zeit (min)
1 Niederlande Mathieu van der Poel 40:47
2 Niederlande Martijn Budding + 0:57
3 Tschechien Adam Ťoupalík + 1:19
4 Vereinigte Staaten Logan Owen + 1:23
5 Belgien Nicolas Cleppe + 1:25
6 Schweiz Dominic Grab + 1:33
7 Belgien Yannick Peeters + 1:38
8 Belgien Quinten Hermans + 1:47
9 Belgien Ben Boets + 2:02
10 FrankreichFrankreich Léo Vincent + 2:33

Als Favorit unter den 33 Fahrern galt Mathieu van der Poel, der im Laufe der Saison alle seine Rennen gewonnen hatte. Nach dem Sprint beim Start lag er bereits in Front, gefolgt von Martijn Budding, und die Positionen dieser beiden sollten sich für den Rest des Rennens nicht mehr ändern. Van der Poel baute seinen Vorsprung allmählich auf eine Minute aus und verteidigte seinen Titel aus dem Vorjahr. Spannender war der Kampf um die Bronzemedaille, für die in der letzten Runde noch fünf Fahrer in Frage kamen. Adam Ťoupalík profitierte von einem Fahrfehler Yannick Peeters’, um sich den entscheidenden Abstand zu verschaffen.[8]

Frauen

Platz Name Zeit (min)
1 Niederlande Marianne Vos 43:00
2 Vereinigte Staaten Katherine Compton + 1:34
3 Frankreich Lucie Chainel-Lefèvre + 2:10
4 Tschechien Kateřina Nash + 2:12
5 Niederlande Sanne van Paassen + 2:15
6 Italien Eva Lechner + 2:17
7 Schweiz Jasmin Achermann + 2:36
8 Niederlande Sabrina Stultiens + 3:06
9 Belgien Ellen Van Loy + 3:18
10 Vereinigte Staaten Kaitlin Antonneau + 3:19

Auch beim Rennen der Frauen lag noch Schnee. Es gingen 31 Fahrerinnen an den Start. Die vierfache Ex-Weltmeisterin Hanka Kupfernagel hatte aus gesundheitlichen Gründen abgesagt.[9]

Das Rennen wurde von Titelverteidigerin Marianne Vos dominiert, die bereits nach der ersten Runde in Führung lag und deren Sieg frühzeitig feststand. Auf den nächsten Plätzen folgten zunächst Eva Lechner und Sanne van Paassen. Weltcupsiegerin Katherine Compton, die nach Materialproblemen in der ersten Runde eine lange Aufholjagd gefahren war, überholte die beiden in der vierten Runde und wurde Zweite. Lechner und van Paassen mussten auch noch Kateřina Nash und Lucie Chainel-Lefèvre vorbeilassen. Im Kampf um die Bronzemedaille kam Nash zuerst auf die Zielgerade, doch war zuvor ihre Kette abgesprungen. Während sie sich rollernd ins Ziel zu retten versuchte, wurde sie noch von Chainel-Lefèvre überholt.

Europameisterin Helen Wyman war kurz nach dem Start in einen Sturz mehrerer Fahrerinnen verwickelt worden und kam nach großem Zeitverlust nur auf den 13. Rang. Die Dritte des Vorjahrs, Sanne Cant, hatte einen schlechten Tag erwischt und kam auf den 18. Platz.[10]

U23

Platz Name Zeit (min)
1 Niederlande Mike Teunissen 48:40
2 Belgien Wietse Bosmans + 0:14
3 Belgien Wout van Aert + 0:22
4 Niederlande Tijmen Eising + 0:35
5 Belgien Jens Adams + 0:38
6 Belgien Laurens Sweeck + 0:54
7 NiederlandeNiederlande Michiel van der Heijden + 1:05
8 Belgien Michael Vanthourenhout + 1:15
9 Niederlande Corné van Kessel + 1:29
10 Belgien Gianni Vermeersch + 1:34

Bei der U23 gab es 42 Teilnehmer. Durch steigende Temperaturen war ein Großteil der Schneedecke bereits verschwunden. Nicht am Start war mit Lars van der Haar der Sieger der beiden letzten Jahre, der vorzeitig in die Elite aufgerückt war. Das Rennen wurde vollständig von den belgischen und niederländischen Fahrern beherrscht, die die ersten zehn Plätze belegten; einzig der niederländische Meister David van der Poel blieb mit dem 20. Platz dahinter zurück.

In der ersten Runde setzten sich Europameister Mike Teunissen und Weltcupsieger Wietse Bosmans etwas von den anderen Fahrern ab. Gegen Ende der zweiten Runde glitt Teunissen im Matsch aus und holte Bosmans erst drei Runden später wieder ein. Wout van Aert hing zu diesem Zeitpunkt nur wenige Sekunden hinter den Führenden, konnte aber die Lücke nicht schließen. Beim letzten Zieldurchgang attackierte Teunissen, distanzierte Bosmans auf der Schlussrunde und gewann vor diesem die dritte niederländische Goldmedaille der Veranstaltung. Van Aert holte in seinem ersten U23-Jahr die Bronzemedaille. Der Rundenschnitt war, wohl auch wegen der geänderten Streckenbedingungen, etwas langsamer als bei den Junioren.[11]

Männer

Platz Name Zeit (h)
1 Belgien Sven Nys 1:05:35
2 Belgien Klaas Vantornout + 0:02
3 Niederlande Lars van der Haar + 0:25
4 Belgien Bart Wellens + 0:41
5 Deutschland Philipp Walsleben + 0:44
6 Schweiz Julien Taramarcaz gl. Zeit
7 Tschechien Radomír Šimůnek + 1:15
8 Belgien Niels Albert + 1:19
9 Niederlande Thijs van Amerongen + 1:31
10 Tschechien Martin Bína + 1:41

Als die Männer an den Start gingen, hatte sich die Schneedecke vollends in Matsch verwandelt, der durch den einsetzenden Schneeregen noch tiefer wurde. Unter den herrschenden Bedingungen war der Rundenschnitt am Ende langsamer als bei den Frauen. Nicht unter den 45 Startern war der Weltmeister von 2010 und 2011, Zdeněk Štybar, der Anfang Februar bereits seine Straßensaison begann.[12]

Im Rennen übernahm zunächst Francis Mourey die Initiative, hinter ihm bildete sich ein belgisches Quartett aus Titelverteidiger und Weltcupsieger Niels Albert, Sven Nys, Kevin Pauwels und dem belgischen Meister Klaas Vantornout. An sechster Stelle folgte Lars van der Haar, der freiwillig in der Elite statt der U23 antrat. Zur Rennmitte hin holten die Belgier Mourey ein. In der sechsten Runde fielen Pauwels mit einer verklemmten Kette und Mourey mit Reifenpanne[13] hoffnungslos zurück. Albert baute ab und wurde durch van der Haar überholt, während Nys und Vantornout um den Titel kämpften. Mitte der letzten Runde blieb Vantornout während einer Laufpartie kurz mit dem Pedal an einem Begrenzungspfahl hängen. Nys verteidigte seinen dadurch entstandenen Vorsprung bis ins Ziel und wurde im Alter von 36 Jahren zum zweiten Mal Weltmeister. Die weiteren Medaillen gingen an Vantornout und van der Haar, Ex-Weltmeister Bart Wellens wurde in seiner letzten WM Vierter.

Commons: Cyclocross-Weltmeisterschaften 2013 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Les Championnats du Monde 2013 à Louisville. Vélo 101, 29. Januar 2010; (französisch).
  2. Louisville opens cyclocross course at Eva Bandman Park. Bizjournals.com, 21. Oktober 2010; (englisch).
  3. 2012 Master Worlds Cyclocross in Louisville. Louisville.am, 17. Januar 2012; (englisch).
  4. UCI Cyclocross Masters World Championships (Memento vom 15. November 2012 im Internet Archive)
  5. Overstromingsgevaar gooit planning WK veldrijden om. Wielerflits, 1. Februar 2013; (niederländisch).
  6. Jahresbericht 2018. Stichting Wereldkampioenschap Cyclocross 2018, 18. Dezember 2019, S. 7; (niederländisch).
  7. Despite hiccups, Louisville 2013 a success. Outside Magazine, 4. Februar 2013; (englisch).
  8. Le number one, c’est Van Der Poel. Vélo 101, 2. Februar 2013; (französisch).
  9. Hanka Kupfernagel sagt Start bei Cross-DM ab. General-Anzeiger, 10. Januar 2013;.
  10. CX Worlds: Vos continues reign on great day for Dutch, Belgium's Nys regains men's crown after 8-year gap. road.cc, 2. Februar 2013; (englisch).
  11. The Netherlands’ Mike Teunissen Takes U23 World Championship Title, Belgians Round Out Podium. Cyclocross Magazine, 2. Februar 2013; (englisch).
  12. Stybar to skip Louisville after abbreviated ’cross campaign. Outside Magazine, 17. Dezember 2012; (englisch).
  13. Mourey : de l'euphorie au désespoir. L’Est Républicain, 2. Februar 2013; (französisch).

Koordinaten: 38° 16′ 7″ N, 85° 43′ 15″ W