Ein Tag ohne Frauen
| Film | |
| Titel | Ein Tag ohne Frauen |
|---|---|
| Originaltitel | The Day Iceland Stood Still |
| Produktionsland | Island, USA |
| Originalsprache | Isländisch, Englisch |
| Erscheinungsjahr | 2024 |
| Länge | 71 Minuten |
| Altersfreigabe | |
| Stab | |
| Regie | Pamela Hogan |
| Drehbuch |
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| Produktion | Hrafnhildur Gunnarsdóttir |
| Musik | Margrét Ran Magnúsdóttir |
| Kamera | Helgi Felixson |
| Schnitt | Kate Taverna |
| Besetzung | |
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Ein Tag ohne Frauen (Originaltitel: The Day Iceland Stood Still) ist ein isländisch-amerikanischer Dokumentarfilm von Pamela Hogan und Hrafnhildur Gunnarsdóttir aus dem Jahr 2024. Er thematisiert den großen Frauenstreik vom 24. Oktober 1975, bei dem 90 Prozent aller isländischen Frauen ihre berufliche und private Arbeit niederlegten und für Gleichberechtigung demonstrierten.
Handlung
In den 1970er-Jahren verzeichnet Island einen deutlichen Aufschwung seiner Mittelschicht, der mit besserem finanziellen Einkommen einhergeht. Gesellschaftlich jedoch stagniert die Entwicklung, die Rolle von Frauen beschränkt sich weitestgehend auf die der Hausfrau, die wenigen Frauen die arbeiten, sind gegenüber ihren männlichen Kollegen unterbezahlt, benachteiligt und werden kaum ernst genommen. Angestoßen durch das Vorbild der feministischen Bewegungen auf dem europäischen Kontinent beginnen zunehmend isländische Frauen sich zu organisieren und fordern die gleichen Rechte wie für Männer ein. Eine dieser Bewegungen sind die sogenannten Rotstrümpfe. Als ihnen der staatliche Rundfunk die Türen öffnet und die Möglichkeit zu einem eigenen Radio-Programm gibt, nutzen die Rotstrümpfe dies aus, um verschiedenste, auch tabuisierte sexuelle Themen anzusprechen, etwa Abtreibung, Menstruation und schlechter Geschlechtsverkehr. Bei vielen Frauen sind die Rotstrümpfe nicht beliebt, sprechen aber Dinge an, die sie ebenso betreffen. Das Echo in der Presse ist verheerend; die Rotstrümpfe werden als Trolle und schlechte Frauen bezeichnet. Ebenso wird ihnen Männerhass vorgeworfen.
"Wir haben unsere männlichen Chauvi-Schweine geliebt, wir wollten sie nur ein bisschen verändern." – Vilborg Dagbjartsdottir "Sie (die Männer) dachten, wir wollten die Macht. Aber wir wollten nur gleiche Rechte und Möglichkeiten." – Hildur Hakonardottir
Die Vereinten Nationen erklären das Jahr 1975 zum Internationalen Jahr der Frau. Die isländische Regierung veranstaltet einen nationalen Frauenkongress, zu dem aus dem ganzen Land rund dreihundert Frauen von verschiedensten Initiativen, Verbänden und politischen Lagern zusammenkommen. Die Frauen einigen sich darauf, am 24. Oktober 1975 in den Streik zu treten, um zu zeigen, welche Bedeutung Frauen für Islands Wirtschaft und Gesellschaft haben. Die Frauen des rechten Lagers sind gegen einen Streik (weil das nur Kommunisten machen würden), doch werden sie von der älteren Valborg Bentsdottir überzeugt, die vorschlägt, den Streik dann schlicht "freien Tag" zu nennen. Viele Frauen sind mit diesem Kompromiss überhaupt nicht einverstanden, akzeptieren ihn aber letztlich.
Die Frauen organisieren und vernetzen sich, vor allem nehmen sie Kontakt zu den ländlichen, starken Frauenverbänden auf. Islands kleine Bevölkerung von lediglich rund 220.000 Einwohnern[2] wird hierbei nützlich, da die Bevölkerung stark untereinander vernetzt und bekannt ist. So erfahren die allermeisten von der Aktion am 24. Oktober. Der Streik bzw. freie Tag erhitzt bei vielen Männern die Gemüter, vor allem sorgen sie sich um wirtschaftliche Einbußen, wenn ihre Mitarbeiterinnen der Arbeit fern bleiben. Teils werden Kompromisse gefunden, in anderen Fällen bleiben die Frauen hart.
Am Tag des Streiks legen die Frauen überall die Arbeit nieder, ebenso Hausarbeit und Kindererziehung. Für viele Männer Islands wird es in mehrfacher Hinsicht ein Tag des "ersten Mals", etwa zu kochen, Geschirr abzuräumen, Windeln wechseln und Kinderbetreuung. Die Männer sprechen schon bald vom "langen Freitag". Das öffentliche und wirtschaftliche Leben steht weitgehend still. In Reykjavík kommen 25.000 Frauen zu einer Demonstration zusammen, der größten Demonstration in der Geschichte Islands. Insgesamt legen 90 Prozent aller Isländerinnen ihre Arbeit am 24. Oktober nieder.
In den nächsten Jahren treten Frauen immer mehr ins Berufsleben ein. 1980 wird mit Vigdís Finnbogadóttir zum ersten Mal eine Frau Staatspräsident Islands. In den 1980er-Jahren gewinnt die isländische Frauenpartei ihre ersten Sitze im Parlament, was auch die anderen Parteien dazu bringt, mehr Frauen als Kandidatinnen aufzustellen. Heute liegt der Frauenanteil im isländischen Parlament bei mehr als 45 %, eine der höchsten Quoten weltweit. Seit 15 Jahren sind einer Studie des Weltwirtschaftsforums zufolge, Männer und Frauen nirgendwo so gleichberechtigt wie in Island.
Hintergrund
Im Film Ein Tag ohne Frauen kommen damalige Aktivistinnen zu Wort. 50 Jahre nach dem historischen Ereignis vom 24. Oktober 1975 erzählen die Zeitzeuginnen die Geschehnisse aus ihrer persönlichen Perspektive. Sie berichten über die Organisation des Streiks und darüber, wie es ihnen gelang Frauen aus den verschiedensten Gesellschaftsschichten für den Protest zu gewinnen. Ergänzt werden die Stellungnahmen durch Trickfilmsequenzen und durch Dokumentarmaterial aus den 70er Jahren.[3][4]
Kritiken
Gaby Sikorski schrieb in ihrer Kritik für den Filmdienst, der Streik werde in dem Film unterhaltsam, lebendig und kurzweilig beschrieben. Die Animationssequenzen unterstrichen nicht nur den subversiven Charakter, sondern seien auch witzig und machen den Film abwechslungsreich. Sie schließt mit den Worten „‘Ein Tag ohne Frauen’ ist ein echter Gute-Laune-Dokumentarfilm – voller Hoffnung, Humor und Optimismus. Ein Film, der Zeichen setzt. Wie ein Sonnenstrahl an einem trüben Tag.“[5] Silvia Hallensleben sieht das in ihrer Kritik für epd Film ähnlich, vermisst dabei aber eine Analyse zentraler Fragen, wie die „enorme Mobilisierung“ zustande kam oder warum nach nur einem Tag eine „solch durchschlagende Wirkung“ erzielt werden konnte. Sie fragte auch, wie das Gesetz genau ausgesehen habe, das so viel bewirkt hat. Sie erwähnt außerdem, dass Vigdís Finnbogadóttir nicht nur an dem Streik, sondern auch an dem Film beteiligt war.[6]
Auszeichnungen
- 2024: Mill Valley Film Festival, beste Dokumentation – Publikumspreis, gewonnen
- 2025: Thessaloniki Documentary Film Festival, Film Over 50' - International Selection – Publikumspreis, gewonnen
- 2025: Edda Awards, Island, beste Dokumentation, nominiert
- 2025: Shanghai International TV Festival, beste Dokumentation, nominiert
Weblinks
- Ein Tag ohne Frauen (2024), bei IMDb
- Ein Tag ohne Frauen auf der Website von Rise And Shine Cinema
- Filmtrailer Ein Tag ohne Frauen auf YouTube
Einzelnachweise
- ↑ Freigabebescheinigung für Ein Tag ohne Frauen. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (PDF; Prüfnummer: 264866 Kino).
- ↑ Bevölkerung Islands 1975. Abgerufen am 22. Dezember 2025.
- ↑ Martin Nguyen: Halbe-halbe: „Ein Tag ohne Frauen“. In: falter.at. 4. März 2025, abgerufen am 11. Dezember 2025.
- ↑ Beate Hausbichler: Wenn Männer einen Tag lang keine Frau um Hilfe bitten können. In: derstandard.at. 11. März 2025, abgerufen am 11. Dezember 2025.
- ↑ Gaby Sikorski: Ein Tag ohne Frauen. Kritik. In: Filmdienst. Abgerufen am 15. Dezember 2025.
- ↑ Silvia Hallensleben: Kritik zu Ein Tag ohne Frauen. In: epd Film. Abgerufen am 15. Dezember 2025.