Die Band wurde am 20. Januar 1966 von Kölner Studenten zunächst als Politkabarett gegründet. Die Band stammte aus der Kölner APO um den SDS, ihre politische Ausrichtung veränderte sich über die Jahre hinweg zu einer dialektisch-marxistischen Position. Unabhängig voneinander traten die Mitglieder der Band zwischen 1970 und 1973 in die DKP ein.
Als die ursprünglich konventionelle Kabarettgruppe bei den Essener Songtagen 1968 Undergroundbands wie die Mothers of Invention, die Fugs und die Edgar Broughton Band erlebt hatte – die Gruppe spielte selbst dort 2 Sonderprogramme –, orientierte sie sich mit ihrem vierten Programm Zwingt Mensch Raus stilistisch um und verband agitatorische Texte mit Beatmusik und einer Bühnenshow zu sogenannten „Agitations-Revuen“[6] und entwickelte sich zu einer der führenden Politrock-Bands. 1969 schloss Floh de Cologne einen Exklusiv-Plattenvertrag mit dem Label Ohr/Metronome für die Produktion Fließbandbabys-Beatshow und weitere Produktionen ab. Der Metronome-Produzent Rolf-Ulrich Kaiser war maßgeblich beteiligt am Aufbau der sogenannten Krautrock-Szene dieser Jahre.
1971 schuf Floh de Cologne mit Profitgeier die erste deutschsprachige Rockoper. In der dreisätzigen Geyer-Symphonie von 1973 arbeitete die Band in ihre Musik Originalausschnitte aus Politikerreden anlässlich des Begräbnisses des deutschen Großindustriellen Friedrich Flick ein. Mit der Kantate für Rockband „Mumien“ reagierte die Band 1974 auf den Putsch in Chile 1973, unter anderem mit einer Vertonung der letzten Rede des gestürzten Präsidenten Salvador Allende. Im selben Jahr erarbeitete die Gruppe zusammen mit Hans Werner Henze alternative Vertonungen des Chilelieds (Dieser chilenische Sommer war süß; 1974), Text: Rudi Bergmann (* 1950), Uraufführung war am 31. Mai 1974 in Essen (Grugahalle: Gedenkkonzert für Víctor Jara, zugleich Solidaritätsveranstaltung für den Widerstand in Chile). Grenzüberschreitend war ebenfalls die Zusammenarbeit mit Mauricio Kagel bei den „Kölner Kursen für Politische Musik“ (1975). In der Rockoper Koslowsky, für die die Band ein Jahr lang vor Ort recherchiert hatte, zeichnete Floh de Cologne 1980 das Schicksal eines Arbeiters aus dem Ruhrgebiet nach, der nach Bayern zur Maxhütte kommt.
Theater
Floh de Cologne ca.1975: v.l. Dieter Klemm, Dick Städtler. Vridolin Enxing, Theo König, Gerd Wollschon, Hansi Frank
Weniger bekannt, aber wesentlich für die Entwicklung der Band waren ihre Arbeiten für das Theater. So entstanden in Zusammenarbeit mit Roberto Ciulli am Kölner Schauspielhaus: Ein Neuer Florentinerhut nach Eugène Labiche (Verlag Hartmann&Stauffacher Köln), mit dem Markgrafen-Theater Erlangen und dem Staatstheater Wiesbaden: Rotkäppchen – ein Märchen mit viel Rock und Pop und Rum-ta-ta nach Jewgeni Schwarz (Verlag Hartmann&Stauffacher Köln)[7]. Weitere Arbeiten erfolgten in verkleinerter Besetzung nach der Auflösung (Dick Städtler, Theo König, Vridolin Enxing): Am Grillo-Theater Essen zusammen mit David Esrig eine Neufassung von Der Krieg von Carlo Goldoni (1984 Sessler-Verlag Wien), Babette oder peu à peu mit Helmut Ruge am Markgrafen-Theater Erlangen (1986), ebenfalls dort: Das Mädchen mit den Schwefelhölzern (1986).
Rezeption
Floh de Cologne, 1978: v.l. Dieter Klemm, Vridolin Enxing, Hansi Frank, Theo König, Dick Städtler
Die Kritik reagierte auf die Band meist zwiespältig, so resümierten Graves/Schmidt-Joos: „Die durchaus wegweisende Musikagitation mit harten Fakten wurde […] stets durch Beigabe unnützer Fiktionen über Ausbeutung, Arbeiterelend, Klassenkampf und ein sozialistisches Utopia geschwächt“, erkannten aber an: „Immerhin gelang es Floh de Cologne als erster deutscher Rock-Band, der nach ihren ethnischen und sozialen Ursprüngen motivierbaren Aggressivität, Spontaneität und Emotionalität des Rock ’n’ Roll mit annähernd gleichwertigen Texten gerecht zu werden.“[2]
„Der Floh de Cologne hat Kabarettgeschichte gemacht, und dies mehrfach: Als ersten kam ihnen das alte Nummernkabarett zu zerfleddert und unverbindlich vor; sie bauten kompakte Programme mit durchgehendem Tenor. Als erste begannen sie, multimedial Musik als wirklich gleichberechtigten Bestandteil sowie Dia und Film ins Programm einzubauen. Als erste begannen sie, richtige Programmgeschichten, abendfüllende Bühnenwerke satirischen Inhalts zu fertigen – zumindest für Deutschland sind sie die Erfinder der Rockoper. Schließlich noch waren sie es, die engagierte Texte der Liedermacher-Aura entkleideten und saftige Songs und Schlager daraus machten; so sind sie schließlich die Großväter aller neueren deutschen Wellen geworden“
– Michael Frank: Süddeutsche Zeitung, 7. April 1983[8]
Zu jedem Bühnenprogramm von Floh de Cologne gab es ein programmatisches Plakat. Die Rückseite enthielt den gesamten Text des Programmes und gegebenenfalls „Anweisungen“ zum Handeln und Literaturhinweise für weiterführende „private revolutionäre Tätigkeit“. Die Vorderseite wurde von befreundeten Künstlern wie HR Giger, Dieter Süverkrüp, Stefan Siegert oder Wolfgang Niedecken gestaltet.
Diese Plakate und die LPs wurden nach den Veranstaltungen von der Gruppe persönlich verkauft, so wie sie im Übrigen alles selber machten; professionelle Aufbauhelfer (Roadies) gab es nicht. Es gehörte zum Ehrenkodex der Gruppe, die eigene Arbeit, so es möglich war, selber zu machen und dadurch die Eintrittspreise so niedrig zu halten, dass die Zielgruppen (Lehrlinge, junge Arbeiter, Studenten, Schüler) möglichst problemlos Zugang fanden. Zitat aus einem Programmheft von 1978:
"Floh de Cologne, das ist keine Goldene Schallplatte und keine goldene Nase, kein Platz in der Hitparade und dem Abendprogramm des Fernsehens, kein Kunst- oder Kulturpreis und keine Subvention. Das ist Pech".
Floh de Cologne: Coverbild für „Mumien – Kantate für Rockband“ von HR Giger
Vor Gebrauch Kopf schütteln 1966
Tra-Ri-Tra-Ra, die Pest ist da 1966
SimSAlabimbambaSAladUSAladim 1967
Zwingt Mensch raus 1968
7.Programm 1969
Fließbandbabys Beat-Show 1969
Rockoper Profitgeier 1970
Rock-Jazz-Rakete Lucky Streik 1972
Geier-Symphony in Rock-Dur 1973
Mumien, Kantate für Rockband 1974
Rock-Show TILT 1975
Rock-Revue Profitgeier & Co. 1976
Prima Freiheit 1978
Koslowsky Rockoper 1979
Faaterland 1982
Funk, Film, Fernsehen
1967 Die Floh-Nummer „SPDeia“ wird aus einer Sendung über die Essener-Kabarett-Tage gestrichen.
1969 Eine vertraglich vereinbarte Fernsehproduktion von „Zwingt Mensch raus“ wird vom WDR wegen der „mehr oder minder harten pornographischen Tendenzen“ abgesetzt.
1970 Hörspielmusik zu „Das wunderbare Geträume von Taifun-Willi“ von Dick Higgins
1970 Radio Bremen will „Fließbandbaby“ live aus dem Sendesaal übertragen, tritt jedoch zwei Tage vorher telegrafisch vom Vertrag zurück
1971 WDR Programmdirektor Peter Scholl-Latour und WDR-Fernsehdirektor Werner Höfer streichen eine geplante Produktion von „Profitgeier“
1971 Der ORF setzt eine geplante Sendung wenige Tage vor dem Aufnahme-Termin ab. Das vertraglich vereinbarte Honorar wird erfolgreich eingeklagt.
1971 Hörspielmusik zu „Schlußwort“ und „Schlußwort 2“ von Richard Hey
1972 Musik zum Funk-Singspiel „Ende gut, alles schlecht“ von Richard Hey
1973 Musik und Texte zum Fernsehfilm „Das Trauerspiel“ von Peter Voigt
1975 Musik und Titelsong zum Fernsehfilm „Die Aufsteiger-Saga“ von Rolf Schübel
1975 Musik zum Film „Grüße aus Neckarsulm“ von Hannes Karnick und Wolfgang Richter
1975 Musik und Text der Hörballade „Good bye, GI“ (Mitautor: Jens Hagen)
1975 Mitwirkung im Fernsehfilm „Die Gruppe Floh de Cologne“ von Peter Voigt
1976 Musik zum Fernsehfilm „Südfrüchte aus Oberndorf“ von Wolfgang Landgraeber
1977 Musik und Titelsong zum Fernsehfilm „Das Betriebsjubiläum“ von Rolf Schübel
1978 Musik zum Fernsehfilm „Panteon Militar“ von Wolfgang Landgraeber
1978 regelmäßige Mitarbeit (Text, Musik, Darstellung) im politisch-satirischen Magazin „Dreizack“ des WDR-Fernsehens
1979 Musik und Mitwirkung im Fernsehfilm „Ein Mann von Gestern“ von Tom Toelle
1980 Koslowsky – eine Produktion des WDR-Fernsehens
1980 Musik zum Fernsehfilm „Das Land der Rosen und Nachtigallen“ von Yoash Tatari
1981 Musik zum Fernsehfilm „Mitbestimmung im Visier“ von Yoash Tatari
1977 drehte die DEFA einen zweiteiligen Dokumentarfilm über die Gruppe (Regie: Rainer Ackermann, Kamera: Thomas Plenert).[10]
2019 erschien Part 1 der US-amerikanischen DVD-Serie Krautrock mit dem Titel Romantic Warrior IV. Die Serie präsentiert ausgiebige Videos und Interviews mit Vertretern der deutschen Krautrock-Szene. Part 1 behandelt die Düsseldorfer und Kölner Gruppen, unter anderem CAN, Kraftwerk und Floh de Cologne.[11][12]
2023 produzierte das OK Projekt Berlin[13] eine Visualisierungen der Chile Kantate Mumien[14] und 2025 von Fließbandbabys Beat-Show[15]. Im selben Jahr entstand ein Video von Caro Gubig zur Ballade von Samstag auf Sonntag[16] aus der Rock-Revue Faaterland.
Der Film Köln 75 aus dem Jahr 2025 verwendet den Song Fließbandbaby manchmal träum ich aus Fließbanbabys Beat-Show in voller Länge[17].
Diskografie
Floh de Cologne produzierte seine LPs während des Vertrages bei OHR/Metronome bei Dieter Dierks, wo auch Wallenstein, Embryo, Tangerine Dream, Witthüser & Westrupp, Ash Ra Tempel, Hoelderlin, Jeronimo und andere der späteren Größen des Deutschrock ihre Aufnahmen machten. Nach dem Umzug zum Pläne-Verlag machten sie ihre Aufnahmen in einem der wichtigsten Tonstudios für deutsche, später auch internationale Pop-Avantgarde-Musik von Conny Plank, der als „Geburtshelfer“ des so genannten Krautrocks gilt. Dort trafen sie u. a. auf Holger Czukay, Can, Grobschnitt, Kraan, Zupfgeigenhansel, Gianna Nannini und andere. Die LP Koslowsky wurde 1980 im Tonstudio am Dom von Martin Hömberg produziert. Als Tontechniker fungierte eine weitere deutsche Krautrock-Größe: Zeus B. Held (Birth Control, Guru Guru). Seit 2024 veröffentlicht ZYX Music die ehemaligen LPs sowohl als Vinyl wie auch CDs in einer sorgfältig editierten Ausgabe. Bisher dort erschienen: Mumien (2024), Koslowsky (2025), Faaterland (2025).
Profitgeier und andere Vögel. Agitationstext, Lieder, Berichte (= Wagenbach-Quartheft; 53). Verlag Klaus Wagenbach, Berlin 1971.
Gerd Wollschon, Floh de Cologne: Sudel-Lexikon. Satirisches Wörterbuch für gelernte Deutsche. 250 Hieb- und Stichwörter mit vielen praktischen Zeichnungen. Satire-Verlag, Köln 1977, ISBN 3-88268-001-6.
Rock gegen Rechts. Weltkreis-Verlag, Dortmund 1980.
Andreas Ciesielski: „Für die Zukunft seh’n wir rot.“ Report über „Floh de Cologne“. In: Ernst Günther, Heinz P. Hofmann, Walter Rösler (Hrsg.): Kassette. Ein Almanach für Bühne, Podium und Manege (= Kassette). Nr.5. Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin 1981, S.7–15.
↑Adele Schmidt, Jose Zegarra Holder, Floh de Cologne: Romantic Warrior IV Krautrock Part 1. In: Procdocs. Zeitgeist Media Productions, 2019, abgerufen am 14. September 2025 (englisch).
↑Claudia Opitz, Sebastian Köpke: OK Projekt, Konzeption und Gestaltung. In: OK Projekt, Konzeption und Gestaltung. Sebastian Köpke, 2025, abgerufen am 1. August 2025.
↑OK Projekt, Floh de Cologne: Mumien. In: Youtube. 2023, abgerufen am 1. August 2025.
↑OK Projekt, Floh de Cologne: Fließbandbabys Beatshow. In: Youtube. 2025, abgerufen am 1. August 2025.