Gregor Jarcho

Gregor Jarcho (* 12. Dezemberjul. / 24. Dezember 1894greg. im Russischen Kaiserreich; † um 1949) war ein deutschsprachiger Übersetzer und Schriftsteller in Torgelow.

Leben und Wirken

Er wuchs in einer jüdischen Familie in Georgien auf.[1] Um 1918 kam er als Kriegsgefangener nach Deutschland.[2] Danach lebte er als Gregor Jarcho in Torgelow in Vorpommern, wo er eine Buchhandlung in der Königstraße 7 führte (kurzzeitig als Mitgesellschafter des Wolfgang Heyer Verlags in Ueckermünde), und als Übersetzer und Publizist tätig war.[3] 1930 unternahm er eine Reise durch die USA. Etwa ab 1933 lebte er im Exil.[4]

Veröffentlichungen (Auswahl)

Gregor Jarcho übersetzte einige Werke von russischen Schriftstellern, vor allem von Fjodor Dostojewski. Außerdem schrieb er mehrere Bühnenstücke, Aufsätze und Rundfunkmanuskripte.

Eigene Werke

Bühnenstücke und Erzählung
  • Ara und Mawa. Ein Gegenspiel, Kiepenheuer, Potsdam 1921
  • Der Leichenweg, in Eos, 1921, S. 105–109
  • Der zackige Kreis, Heyer, Ueckermünde 1922 (= Ein Leichenweg?)
  • Der Freund. Ein Erlebnis, Wasservogel, Berlin 1929
Aufsätze in Zeitschriften
  • Das Buch in Russland, in Der Sammler, 1919, 5, S. 5–6
  • Das Buch im vorbolschewistischen Russland, in Zeitschrift für Bücherfreunde, 1922, S. 48–50 (kurze Auszüge)
  • Richard Euringer, in Die schöne Literatur, 1928, S. 424–430
Rundfunksendungen
  • Fjodor Dostojewski, Der Idiot, Berliner Funkstunde am 17. März 1931[5]
  • Zu Fuß durch USA, Welle 253 am 26. April 1931[6]
  • Das bleiche Sterben, Berliner Funkstunde am 2. April 1932, über Tuberkulose-Gefahren
  • Die bittersüße Minne, 1933, mit Heinz Strack[7]

Übersetzungen

Fjodor Dostojewski
  • Der ewige Gatte, Minden, Dresden 1921
  • Verbrechen und Strafe, Ladyschnikow, Berlin 1924
  • Die Dämonen, Ladyschnikow, Berlin 1924
  • Aus einem todten Hause, Ladyschnikow, Berlin 1925, mehrere Neuausgaben in anderen Verlagen
  • Erniedrigte und Beleidigte, Ladyschnikow, Berlin 1925
  • Kleine Romane und Erzählungen. (Das Dorf Stepantschikowo. Arme Leute. Weiße Nächte), 3 Bände, Büchergilde Gutenberg, Berlin 1930
Weitere Autoren
Gedichte
  • A. Krutschonych, Das erste Mal, Gedicht, in Der Querschnitt, 1925, S. 437–438 (Digitalisat/PDF)
  • Sergey Jessenin, Zwei Gedichte. Aufschwung. Blauer Ritt, in Der Querschnitt, 1926, S. 683–684

Literatur

Einzelnachweise

  1. ↑ Iwan Goll, Methusalem oder Der letzte Bürger, Kiepenheuer, Potsdam 1922, letzte Seite, Verlagsanzeige mit Rezension, zur Herkunft aus Georgien im Kaukasus
  2. ↑ Mario Zanucchi, Expressionismus im internationalen Kontext, de Gruyter, Berlin/Boston 2023, S. 226, Anm. 462; nach Raabe, 1985, S. 241, Nr. 140; betonte, dass der angebliche Geburtsort Torgelow in Kürschners Literatur-Kalender ein Irrtum war, (der wahrscheinlich bewusst eingesetzt wurde, um eine deutsche Herkunft vorzutäuschen)
  3. ↑ Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel vom 12. Januar 1922, S. 48; die Buchhandlung wurde am 1. Januar 1919 gegründet; Börsenblatt vom 6. April 1922, S. 453, berichtete über das Ausscheiden von Gregor Jarcho als Geschäftsführer beim Wolfgang Heyer Verlag
  4. ↑ F. C. Weiskopf, Unter fremden Himmeln. Ein Abriß der deutschen Literatur im Exil 1933–1947, Aufbau, Berlin 1981, S. 271 (kurze Auszüge); dort der angebliche ursprüngliche Name Gregor Russ und der Todeszeitpunkt um 1949
  5. ↑ Der Idiot (1931) ARD-Hörspieldatenbank
  6. ↑ Der Auslanddeutsche, 1931, S. 341
  7. ↑ Funk, 1933, S. XXVIII (Auszug)