Johann Heidsiek

Johann Heidsiek (* 1855 in Schwenningdorf (heute Rödinghausen); † 1942) war ein deutscher Gehörlosenlehrer und setzte sich für den bimodal-bilingualen Unterricht mit Gebärdensprache ein.[1]

Wirken

Johann Heidsiek war 1875 und von 1881 bis 1921 als Gehörlosenlehrer an der Gehörlosenschule in Breslau tätig.

Auf dem Mailänder Kongress von 1880 wurde für den Unterricht gehörloser Kinder die reine Lautspracherziehung beschlossen. Wegen des Verbots der Gebärdensprache im Unterricht stockte die Entwicklung in der Gehörlosenpädagogik. Gehörlose Lehrer wurden nicht mehr neu eingestellt und alle Lehrer durften im Unterricht nur noch Lautsprache verwenden. Die Bildung der gehörlosen Kinder verschlechterte sich dadurch.[1]

Sechs Jahre nach dem Mailänder Kongress setzte sich Johann Heidsiek erstmals für einen zweisprachigen Unterricht mit Laut- und Gebärdensprache ein. Er bezeichnete in verschiedenen Werken die Gebärdensprache auch als natürliche Sprache der Gehörlosen. Er fand Zustimmung bei den Gehörlosenvereinen, wie Eduard Fürstenbergs Schwiegersohn, der gehörlose Gehörlosenlehrer August Schenk, nach einem Besuch von Heidsiek 1891 in Berlin im Taubstummen-Courier berichtete. In verschiedenen Werken griff Heidsiek die deutsche Gehörlosenpädagogik an, indem er Charles-Michel de l’Epée und Samuel Heinicke verglich, Fehler von Heinicke und seinen Nachfolgern aufdeckte, die reine deutsche Methode kritisierte und stark für die Anwendung der Gebärdensprache argumentierte. Er forderte auch, die Methode dem Wesen des Schülers anzupassen.[1]

Aufgrund von Beschwerden gegen Heidsieks Werke leitete das Kultusministerium eine Disziplinaruntersuchung ein. Am 8. Oktober 1891 wurde in einem Erlass erklärt, dass sämtliche Behauptungen Heidsieks im Widerspruch zu den tatsächlichen Verhältnissen stehen. Der Landeshauptmann der Provinz Sachsen strengte sogar einen Prozess wegen Beleidigung gegen Heidsiek und seinen Verleger, der im November 1892 mit einem Freispruch endete. Resolutionen von Gehörlosen 1892, ein gemischtes System im Unterricht einzuführen, scheiterten.

Nach seiner USA-Reise auf Einladung von Edward Gallaudet berichtete Heidsiek 1898 von einem in Deutschland nur wenig bekannten Handalphabet und dem Wirken von Laurent Clerc und Alexander Graham Bell. Für ihn war die Gebärdensprache aber weiterhin das bevorzugte Sprachmittel der Gehörlosen. 1914 warf Heidsiek dann den Gehörlosenschulen die Verblödung des Geistes der Gehörlosen vor.

Ehrungen

Obwohl Heidsieks Bemühungen zu großen Teilen scheiterten, ernannte ihn der Schwedische Gehörlosenverband 1893 zum Ehrenmitglied.[1]

Eine Gehörlosenschule trug auch seinen Namen.[2]

Werke

  • Der Taubstumme und seine Sprache. 1889.[3]
  • Ein Notschrei der Taubstummen. 1891.[1]
  • Hörende Taubstumme. Ein Beitrag zu Klärung schwebender Streitfragen. 1897.
  • Das Taubstummenbildungswesen in den Vereinigten Staaten Nordamerikas. 1899.

Einzelnachweise

  1. a b c d e Jochen Muhs: Johann Heidsiek (1855-1942) - Wegbereiter des Bilingualismus. In: Das Zeichen. 47. Jahrgang, März 1999, S. 11–17.
  2. Schulchronik, -name und -logo. In: LVR-Gerricus-Schule. Abgerufen am 19. Dezember 2025.
  3. Simone: Die Geschichte der Gebärdensprache und ihre Rolle im Unterricht. (Prüfungsarbeit; PDF) In: taubenschlag.de. S. 78, abgerufen am 19. Dezember 2025.