Johannes Mehlig
Johannes Mehlig (* 8. Juli 1928 in Keutschen, Landkreis Weißenfels; † 26. September 2015) war ein deutscher Indologe.
Leben
Johannes Mehlig wurde 1944 als 15-jähriger Oberschüler zum Kriegsdienst als Luftwaffenhelfer eingezogen und kam in sowjetische Kriegsgefangenschaft, aus der er 1949 entlassen wurde.[1] Der Pfarrersohn legte 1950 das Abitur ab und studierte daraufhin Indologie, Indogermanistik und Altnordisch an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (1950–1953) und der Karl-Marx-Universität Leipzig (1953–1955).[2] Bis 1952 war er Mitglied der SED.[1] Nach dem Abschluss der Diplomprüfung arbeitete er von 1955 bis 1960 als wissenschaftlicher Assistent am Seminar für Allgemeine Sprachwissenschaft und Indologie der Universität Halle-Wittenberg. Am 18. Dezember 1959 wurde Mehlig in Halle mit einer Arbeit Über Śiva und Śivaverehrung im Mahābhārata zum Dr. phil. promoviert (Gutachter: Karl Ammer, Walter Ruben, Friedrich Weller). In der Folge war er in den Jahren 1960 bis 1965 wissenschaftlicher Oberassistent am Indischen Institut der Universität Leipzig und schloss am 26. März 1965 in Halle die Habilitation mit dem Thema Untersuchungen zur Genesis und Geschichte des altindischen Ordals ab (Gutachter: Karl Ammer, Heinz Mode, Rolf Lieberwirth). Es folgte seine Ernennung zum Dozenten an der Sektion Geschichte/Staatsbürgerkunde der Universität Halle-Wittenberg.[2] Laut Darstellung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sei er dort „wegen kritischer Bemerkungen“ entlassen worden, habe jedoch „Unterschlupf“ bei einem „jüdische[n] Marxist[en] am Institut für Orientalische Archäologie der Universität Halle“ gefunden. 1969 sei ihm ein „Schreibverbot“ auferlegt worden, „weil er weiter redete und schrieb, ‚wie man in Tübingen und Göttingen redet und schreibt‘.“ Dieses sei später aufgrund von Deviseneinnahmen durch seine Bücher aufgehoben worden. Bis zur Wende, während der er sich 1989 im Neuen Forum engagierte, habe Mehlig als „Deutschlands dienstältester Universitätsassistent“ gegolten.[1]
Johannes Mehlig war Mitglied der „Arbeitsgemeinschaft für Buddhistische Forschungen in der Deutschen Demokratischen Republik“.[3][4]
1992 wurde er mit 63 Jahren auf den wiedergegründeten indologischen Lehrstuhl berufen. 1995 erhielt er den Friedrich-Rückert-Preis, 1998 den Friedrich-Weller-Preis.
Schriften (Auswahl)
- (Hrsg.): Stimmen des Orients. Arabische, persische indische und chinesische Dichtungen in der Übertragung von Friedrich Rückert. Insel-Verlag, Leipzig 1965, OCLC 831319624.
- Rolle und Bedeutung des Tripitaka. Martin-Luther-Universität, Halle 1969, OCLC 263733857 (10 S.).
- Die zeitlose Gültigkeit der Weisheit des deutschen Brahmanen. Festvortrag des elften Preisträgers des Friedrich-Rückert-Preises der Stadt Schweinfurt. Ergon-Verlag, Würzburg 1995, ISBN 3-928034-69-3.
- Wendezeiten. Die Strangulierung des Geistes an den Universitäten der DDR und dessen Erneuerung. Bock und Herchen, Bad Honnef 1999, ISBN 3-88347-207-7.
Literatur
- Lothar Mertens: Mehlig, Johannes. In: Lexikon der DDR-Historiker. Biographien und Bibliographien zu den Geschichtswissenschaftlern aus der Deutschen Demokratischen Republik. Saur, München 2006, ISBN 3-598-11673-X, S. 415.
- Johannes Mehlig zum 75. Geburtstag. Die akademische Feier. Orientwissenschaftliches Zentrum der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Halle 2004, OCLC 76548844.
Weblinks
- Literatur von und über Johannes Mehlig im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- campus-halensis.de
- indologie.uni-halle.de
Einzelnachweise
- ↑ a b c Kurt Reumann: Johannes Mehlig 75. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. Nr. 155, 8. Juli 2003, S. 5.
- ↑ a b Lothar Mertens: Mehlig, Johannes. In: Lexikon der DDR-Historiker. Biographien und Bibliographien zu den Geschichtswissenschaftlern aus der Deutschen Demokratischen Republik. Saur, München 2006, ISBN 3-598-11673-X, S. 415.
- ↑ Johannes Mehlig: „Das Seiende in Sprache und Philosophie: Zur Problematik begrifflicher Fixierungen“. In: Der Beitrag Indiens zur Weltkultur (Beiträge der Arbeitstagung vom 21. Juni 1977, veranstaltet von der „Arbeitsgemeinschaft für Buddhistische Forschungen in der Deutschen Demokratischen Republik“ an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg), Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg: Wissenschaftliche Beiträge (I 6) 1979/2. Halle (Saale), 1979, S. 12–23.
- ↑ Die Arbeitsgemeinschaft für Buddhistische Forschungen in der Deutschen Demokratischen Republik war auch als Buddhist Centre bekannt, vgl. Thilo Götze Regenbogen: „Buddhismus in der DDR: Eine Spurensuche“. Zugegriffen 26. Juni 2024. https://info-buddhismus.de/Buddhismus_in_der_DDR.html.