Léon Saunier

Porträt von Léon Saunier, Wirkungszeitraum 1836–1877 als Buchhändler und Verleger

Léon Saunier (vollständiger Name: Jean Charles Erneste Léon Saunier; * 25. April 1814 in Berlin; † 26. Juli 1877 in Stettin) war ein deutscher Verleger und Buchhändler.

Léon Saunier wurde am 25. April 1814 in Berlin geboren. Seine Mutter, Marie Madeleine Natalie Reclam (1774–1817), entstammte einer französischen Flüchtlingsfamilie und war die Tochter des französisch-reformierten Predigers Pierre Chrétien Frédéric Reclam. Sie starb im Alter von 43 Jahren, als Saunier drei Jahre alt war. Sein Vater, Jean Jacques Louis Saunier (1773–1849), war Professor am Französischen Gymnasium in Berlin und wirkte dort seit 1815 bis zu seinem Tod zudem als Pfarrer der französisch-reformierten Klosterkirche.[1][2]

In Stettin besuchte Saunier die Friedrich-Wilhelms-Schule. Anschließend absolvierte er eine Ausbildung in der Buchhandlung von Stuhr in Berlin. Im Sommer 1836 war er als Gehilfe in der Buchhandlung Oehmigke tätig. Während dieser Zeit traf er Vorbereitungen, eine eigene Buchhandlung zu erwerben oder neu zu gründen. In seinem Tagebuch hielt er dazu fest: „Das erstere war mir das liebste, denn ich sah wohl die Schwierigkeiten im voraus, die sich bei der Gründung eines neuen Verlagsgeschäftes mir in den Weg legten, auch fühlte ich nun, daß ich noch nicht die erforderlichen Erfahrungen gesammelt hatte, um einen Verlagsartikel mit Glück zu acquerieren, zudem aber auch standen mir nicht die nötigen Kapitalien, die nicht unbedeutend sein mußten, zu Diensten.“[3] Noch im selben Jahr erhielt er zwei Angebote: von der J. P. Bachemsche Buchhandlung in Köln und die F. H. Morinsche in Stettin. Schließlich erwarb er die Buchhandlung von Friedrich Heinrich Morin in Stettin für 15.000 Taler.[4]

Im Jahr 1840 erwarb er das Haus des Kaufmanns C. W. Meister, um sein Warensortiment zu erweitern. Neben politischer, schöngeistiger und fachwissenschaftlicher Literatur sowie Schulbüchern bot er fortan auch ausländische Werke, ein Musikalienlager, Zeichenbücher, Atlanten, Erd-, Himmels- und Segelkarten sowie Globen an.[4]

Saunier pflegte in Stettin enge Kontakte zu literarisch interessierten Kreisen. „Sogar in Häusern wie dem der Frau Geheimrätin Tilebein hatte er Zutritt. Dort lernte er unter anderem den Enkel Goethes, Walther von Goethe, kennen.“[4]

In den Jahren 1863 und 1877 war Saunier in Stettin als Stadtverordneter tätig und erwarb sich „große Verdienste um die Stadterweiterung.“[5] Darüber hinaus engagierte er sich ehrenamtlich im Presbyterium der französisch-reformierten Gemeinde sowie in mehreren Wohltätigkeitsvereinen.

Saunier starb am 26. Juli 1877 in Stettin. Die Stadtverordneten ließen ihm zu Ehren ein lebensgroßes Ölgemälde anfertigen und über dem Präsidentensitz in ihrem Sitzungssaal aufhängen. Der Magistrat benannte eine Straße vor dem Berliner Tor nach ihm. Freunde Sauniers errichteten an seinem Grab auf dem Friedhof der französisch-reformierten Gemeinde ein Denkmal.[6]

Literatur

  • Otto Altenburg: 100 Jahre Léon Sauniers Buchhandlung. 1826–1926. Festschrift zur Hundertjahrfeier der Léon Saunierschen Buchhandlung Stettin. Dargestellt von Prof. Dr. O. Altenburg. Verlag Léon Sauniers Buchhandlung, Stettin 1926 (Digitalisat).
  • Bernhard Koerner (Hg.): Pommersches Geschlechterbuch. Bearbeitet von Kurt Winckelsesser. Band 7. Verlag von C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1967, S. 612 f. (Digitalisat).
  • Eckhard Wendt: Stettiner Lebensbilder (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Pommern. Reihe V; Band 40). Böhlau, Köln [u. a.] 2004, ISBN 3-412-09404-8, S. 398–399.

Einzelnachweise

  1. Otto Altenburg: 100 Jahre Léon Sauniers Buchhandlung. 1826-1926. Festschrift zur Hundertjahrfeier der Léon Saunierschen Buchhandlung Stettin. Dargestellt von Prof. Dr. O. Altenburg. Verlag Léon Sauniers Buchhandlung, Stettin 1926, S. 11 f.
  2. Kurt Winkelsesser: Winckelsesser 1. In: Bernhard Koerner (Hrsg.): Pommersches Geschlechterbuch. Bearbeitet von Kurt Winckelsesser. Band 7. Verlag von C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1967, S. 437–676, hier S. 613 (archive.org).
  3. Otto Altenburg: 100 Jahre Léon Sauniers Buchhandlung. 1826–1926. Festschrift zur Hundertjahrfeier der Léon Saunierschen Buchhandlung Stettin. Dargestellt von Prof. Dr. O. Altenburg. Verlag Léon Sauniers Buchhandlung, Stettin 1926, S. 13.
  4. a b c Eckhard Wendt: Stettiner Lebensbilder. In: Roderich Schmidt (Hrsg.): Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Pommern. Band 40. Böhlau, Köln / Weimar / Wien 2004, ISBN 3-412-09404-8, S. 398.
  5. Eckhard Wendt: Stettiner Lebensbilder. In: Roderich Schmidt (Hrsg.): Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Pommern. Band 40. Böhlau, Köln / Weimar / Wien 2004, ISBN 3-412-09404-8, S. 399.
  6. Otto Altenburg: 100 Jahre Léon Sauniers Buchhandlung. 1826-1926. Festschrift zur Hundertjahrfeier der Léon Saunierschen Buchhandlung Stettin. Dargestellt von Prof. Dr. O. Altenburg. Verlag Léon Sauniers Buchhandlung, Stettin 1926, S. 31.