Martin Schenk (Aktivist)

Martin Schenk (2023)

Martin Schenk (* 1970 in Wien) ist ein österreichischer Sozialexperte, Menschenrechtsaktivist und stellvertretender Direktor der Diakonie Österreich. Schenk ist Psychologe und engagiert sich besonders im Bereich der Armutsforschung.

Leben

Martin Schenk studierte Psychologie an der Universität Wien und absolvierte das Psychotherapeutische Propädeutikum.[1] Seit 1989 ist er in der Arbeit mit Jugendlichen tätig, speziell mit sozial benachteiligten. Zwei Jahre lang war er in der Betreuung von Menschen mit Behinderungen engagiert, später mit Obdachlosen und in der Flüchtlingsbetreuung.

Schenk arbeitet derzeit (Stand 2022) als Sozialexperte und stellvertretender Direktor der Diakonie Österreich[2], zu seinen Schwerpunkten zählen Soziale Sicherung Gesundheit, Kinder & Jugendhilfe und Bildung.[3] Er ist Lehrbeauftragter im Studiengang Sozialarbeit an der Hochschule Campus Wien[4] und Joanneum Graz.

Regelmäßig schreibt Schenk für die Zeitungen Augustin, Die Furche, Die Presse und den Standard und ist Autor zahlreicher Bücher zu den Themen Armut, Sozialstaat, Integration und Gesundheit. Er wurde in den österreichischen PEN-Club[5] aufgenommen. Auf OktoTV ist er Moderator der Sendung Eingschenkt mit jeweils einem Gast aus dem Bereich der Wirtschafts-, Politik- oder Sozialwissenschaft.

Schenk wird in einem Beitrag von Michaela Moser als „Netzwerker, Initiator, Dranbleiber“ beschrieben.[6]

Schwerpunkte

Schenk war Mitbegründer mehrerer sozialer Initiativen, wie der Armutskonferenz und der Aktion „Hunger auf Kunst und Kultur“[7]. Weiters war er an der Entstehung des Lichtermeers beteiligt, in die Anfänge des Vereins Hemayat involviert und Mitinitiator des Projekts „Sichtbar Werden“ von & für Armutsbetroffene[8]. Zuletzt rief er das Sozialrechtsnetz[9] („mit Recht gegen Armut“) mit ins Leben, das auf die Stärkung und Durchsetzung sozialer Menschenrechte abzielt. Im Projekt „Mitgehn“[10] engagiert er sich mit stillen Begleitern für Menschen mit geringem Einkommen auf Ämtern, Behörden oder Gesundheitseinrichtungen.[11] Dabei geht es um die Überwindung von Barrieren, aber auch um die not-wendige Repräsentation von Menschen, die sonst nicht gehört und gesehen werden. Aus Mitgehn entstehen Dialogforen mit Ämtern und Behörden, genauso wie Diskussionsforen mit Abgeordneten des Nationalrats ("Parlament der Ausgegrenzten"[12]). Jeden letzten Montag vor Weihnachten moderiert er den „Journalismuspreis von unten"[13] im Presseclub Concordia gemeinsam mit der Preisjury, die ausschließlich aus Armutsbetroffenen besteht.

Seit dem Jahr 2000 ist Schenk Mitglied im Menschenrechtsbeirat, einem beratenden Organ der österreichischen Volksanwaltschaft.[14] Die Gesundheitsziele Österreichs hat er von Beginn an mitentwickelt und ist seither Co-Leiter der Arbeitsgruppe „Gesundheitliche Chancengerechtigkeit“[15]. Das Konzept der „Frühen Hilfen“ wurde im Rahmen der Gesundheitsziele forciert und mittlerweile in allen Bundesländern etabliert. Die Idee des „Social Prescribing“,[16] also die Verschreibung eines sozialen Rezeptes auf medizinischer Seite, holte er mit Kollegen aus England nach Österreich[17].

Auf der fachlichen Ebene hat Schenk am Konzept kompensatorischer Ressourcenzuteilung für benachteiligte Schulstandorte („Sozial/Chancenindex“[18]) mitgearbeitet, Studien zur Frage der Nicht-Krankenversicherten[19] erstellt, Lücken und Barrieren im österreichischen Gesundheitssystem aus Sicht von Armutsbetroffenen erhoben. Schwerpunkte setzt er in seiner fachlichen Auseinandersetzung u.a. bei multiprofessioneller und wohnortnaher Gesundheitsversorgung, Fragen der sozialen Scham und Beschämung, Einsamkeit und Ohnmacht, Distress und Belastung, sozialer Ungleichheit und Prekarisierung, Mitbestimmung und Repräsentation.

Publikationen (Auswahl)

  • mit Nikolaus Dimmel und Christine Stelzer-Orthofer (Hrsg.): Handbuch Armut in Österreich. Studienverlag, Innsbruck-Wien-Bozen 2009; überarbeitete Neuauflage 2014, ISBN 978-3-7065-5292-9.
  • als Hrsg. mit Siroos Mirzaei: Abbilder der Folter. 15 Jahre Arbeit mit traumatisierten Flüchtlingen. Mandelbaum, Wien 2010, ISBN 978-3-85476-351-2.
  • mit Michaela Moser: Es reicht! Für alle! Wege aus der Armut. Deuticke, Wien 2010, ISBN 978-3-552-06114-9.
  • mit Eva Maria Bachinger: Die Integrationslüge. Deuticke, Wien 2012, ISBN 978-3-552-06185-9.
  • mit Florian Riffer: Lücken und Barrieren im österreichischen Gesundheitssystem aus Sicht von Armutsbetroffenen. Eine partizipative Erhebung. Die Armutskonferenz, Wien 2015. (Online PDF; 1,6 MB)
  • mit Eva Maria Bachinger: Wert und Würde. Ein Zwischenruf. Carl Hanser, München 2016, ISBN 978-3-446-25400-8.
  • als Hrsg. mit Katharina Meichenitsch, Michaela Neumayr: Neu! Besser! Billiger! Soziale Innovation als leeres Versprechen? Mandelbaum, Wien 2016, ISBN 978-3-85476-508-0.
  • als Hrsg. mit Julia Hofmann, Martin Schürz, Nikolaus Dimmel: Handbuch Reichtum. Neue Erkenntnisse aus der Ungleichheitsforschung. Studienverlag, Innsbruck 2017, ISBN 978-3-7065-5590-6.
  • mit Martin Schriebl-Rümmele: Genug gejammert! Warum wir gerade jetzt ein starkes soziales Netz brauchen. Ampuls, Unteraichwald 2017, ISBN 978-3-9504509-0-3.
  • Beiträge in: Abwertung hat System: Vom Ringen um Anerkennung, Wertschätzung und Würde. Hrsg.: Die Armutskonferenz et al. 2018, ISBN 978-3-99046-395-6.[20]
  • als Hrsg. mit Hedwig Wölfl: Was Kindern jetzt gut tut. Gesundheit fördern in einer Welt im Umbruch. Ampuls Verlag, Unterachwald 2022, ISBN 978-3-9519818-5-7.
  • als Hrsg. mit Die Armutskonferenz et al: Es brennt. Armut bekämpfen, Klima retten. BoD, Norderstedt 2023, ISBN 978-3-7481-8361-7.
  • Brot und Rosen. Über Armut, oder: den Unterschied zwischen Hungern und Fasten macht die Freiheit. Edition Konturen, Wien/Hamburg 2024, ISBN 978-3-902968-97-5.
  • als Hrsg. mit Nikolaus Dimmel, Karin Heitzmann, Christine Stelzer-Orthofer: Armut in der Krisengesellschaft. Löcker, Wien 2024, ISBN 978-3-99098-191-7.

Auszeichnungen

Commons: Martin Schenk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Nachweise

  1. a b Kunstuniversität Linz: Mag. Martin Schenk. Abgerufen am 22. Oktober 2017.
  2. Blogbeiträge - Martin Schenk. In: www.diakonie.at. Diakonie Österreich, 3. März 2022, abgerufen am 3. März 2022.
  3. About. In: EingSchenkt. Abgerufen am 8. März 2021.
  4. EingSchenkt. Martin Schenks Blog: About. Abgerufen am 22. Oktober 2017.
  5. http://penclub.at/. 11. Februar 2025, abgerufen am 9. März 2025 (amerikanisches Englisch).
  6. Michaela Moser: Wider Armut, Beschämung und Ressentiments. In: Quart. Akademikerverband, 1. Oktober 2024, abgerufen am 9. März 2025.
  7. Homepage der Aktion „Hunger auf Kunst und Kultur“
  8. Martin SCHENK-MAIR. Abgerufen am 8. März 2021 (amerikanisches Englisch).
  9. SozialRechtsNetz. Abgerufen am 11. August 2022.
  10. Die Armutskonferenz.: Mitgehn. Abgerufen am 17. Februar 2023 (deutsch).
  11. Martin Schenk: Mitgehn. In: Augustin. Augustin, 4. November 2022, abgerufen am 17. Februar 2023 (deutsch).
  12. Parlament der Ausgegrenzten - Armutskonferenz. Abgerufen am 11. Januar 2026.
  13. Journalismuspreis „von unten“. Abgerufen am 11. Januar 2026.
  14. Volksanwaltschaft: Der Menschenrechtsbeirat. Abgerufen am 22. Oktober 2017.
  15. Gesundheitsziele Österreich - Für mehr Gesundheit in Österreich. Abgerufen am 21. Januar 2022 (deutsch).
  16. Rojatz, Daniela; Antosik, Jennifer; Weitzer, Jakob; Ecker, Sandra; Haas, Sabine: Handbuch Social Prescribing in der Primärversorgung. Schritt für Schritt zur Umsetzung. In: GÖG. Gesundheit Österreichj, 2021, abgerufen am 17. Februar 2023 (deutsch).
  17. Martin Schenk: Das soziale Rezept. In: ORF. ORF, 20. November 2022, abgerufen am 17. Februar 2023 (deutsch).
  18. Pilotprojekt 100 Schulen muss zu einem echten Chancenindex für alle werden. Abgerufen am 11. Januar 2026.
  19. Nicht-Krankenversicherung. Abgerufen am 11. Januar 2026.
  20. Dokumentation der 11. Armutskonferenz (2018): ACHTUNG Abwertung hat System. Abgerufen am 5. März 2022.