Meredith Whittaker

Meredith Whittaker, 2023

Meredith Whittaker ist eine US-amerikanische Forscherin und Beraterin, die sich mit den sozialen Auswirkungen und ethischen Fragen von künstlicher Intelligenz (KI) und Datenschutzfragen auseinandersetzt. Sie ist Präsidentin der gemeinnützigen Signal-Stiftung, die den Messenger Signal entwickelt.[1] Seit Sommer 2025 ist sie zudem Mitglied im Verwaltungsrat von Hubert Burda Media.[2] In einem Interview mit der taz vom 10. Oktober 2025 warnte Whittaker vor einer Aushöhlung der Privatheit durch die geplante EU-„Chatkontrolle“ und vor KI-Agenten, die für ihre Funktionalität weitreichende Zugriffe auf persönliche Daten benötigen.[3] Zugleich betonte sie, dass Signal sich ohne Werbe- und Tracking-Erlöse über Spenden finanziert und an einer kostenpflichtigen Premium-Backup-Funktion arbeitet.[3]

Karriere

Meredith Whittaker hat einen Bachelor-Abschluss in Rhetorik von der University of California, Berkeley. Ab 2006 war sie dreizehn Jahre lang bei dem US-amerikanischen Unternehmen Google beschäftigt, wo sie die Google Open Research Group gründete.[4] 2018 war sie eine zentrale Organisatorin der Proteste von Google-Mitarbeitern gegen Diskriminierung und Überwachung und schied im Juli 2019 aus dem Unternehmen aus.[5]

Whittaker hatte daraufhin eine Professur an der New York University inne.[6] Sie ist zudem Mitbegründerin, ehemals Fakultätsdirektorin, und jetzt Beraterin des 2017 gegründeten AI Now Instituts der New York University.[7]

Vom November 2021 bis September 2022 war sie Senior Advisor für Künstliche Intelligenz für die US-amerikanische Federal Trade Commission.[8]

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit Meredith Whittaker und Friedensnobelpreisträgerin Maria Ressa (2024)

Seit September 2022 ist sie neben ihrer Rolle als Mitglied im dreiköpfigen Aufsichtsrat der gemeinnützigen Signal-Stiftung auch deren Präsidentin.[9] Diese Non-Profit-Organisation trägt die Verantwortung für die gleichnamige Messenger-App Signal.[10] Im Herbst 2025 bestätigte Whittaker, dass sich der jährliche Betriebsaufwand in der Größenordnung von 50 Millionen US-Dollar bewege, der ohne Werbe- oder Tracking-Erlöse vor allem durch Spenden gedeckt werde; ergänzend werde eine kostenpflichtige Premium-Backup-Funktion vorbereitet.[3]

Das Time-Magazine zählte Whittaker 2023 zu den 100 einflussreichsten Menschen im Bereich der KI-Entwicklung.[11] Im Mai 2024 wurde sie für ihre Arbeit zu Künstlicher Intelligenz und Datenschutz in Hamburg mit dem Helmut-Schmidt-Zukunftspreis ausgezeichnet.[12]

Positionen

Whittaker beschreibt die systematische Überwachung von Nutzerinnen und Nutzern sowie das Sammeln personenbezogener Daten als ökonomischen Motor der Tech-Industrie und damit als fundamentalen Widerspruch zum gesellschaftlich hochgehaltenen Wert der Privatheit.[3] Sie sieht die anhaltende Beliebtheit von Datenschutz auch darin bestätigt, dass große Anbieter wie Apple oder Meta ihre Produkte gezielt mit Privatsphäre-Versprechen vermarkten.[3] Als besondere Bedrohung bewertet sie gesetzgeberische Vorhaben wie die EU-„Chatkontrolle“, die starke Ende-zu-Ende-Verschlüsselung unterlaufen und vertrauliche digitale Kommunikation praktisch verunmöglichen würden.[3] Darüber hinaus warnt sie vor KI-Agenten, die als „Robo-Butler“ weitreichende Zugriffe auf persönliche Daten und Apps bündeln, Privatheit aushöhlen und die Marktmacht dominanter Plattformen weiter verfestigen könnten.[3] Gesellschaftlich befürchtet sie dadurch „chilling effects“, also eine Einengung dessen, was Menschen zu denken, zu sagen und zu diskutieren wagen.[3]

Mit Blick auf die Debatte um digitale Souveränität kritisiert Whittaker eine späte politische Einsicht und warnt vor Scheinlösungen wie Gigafabriken oder einer sogenannten „souveränen Microsoft-Cloud“; stattdessen fordert sie die Förderung offener Technologien, sicherer Kommunikationsmittel und eines gesunden Medien-Ökosystems als Grundlage demokratischer Meinungsbildung.[3] Zugleich lehnt sie die Abwälzung der primären Verantwortung für Datenschutz auf den Einzelnen ab, da gesellschaftliche Teilhabe in vielen Bereichen faktisch an die Nutzung der Dienste großer Plattformen gebunden sei – etwa bei Jobsuche, sozialen Kontakten oder in Schule und Verwaltung.[3]

Literatur

Commons: Meredith Whittaker – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. ↑ Ruth Fulterer: Interview «Künstliche Intelligenz kommt direkt aus dem Überwachungsmonopol der Tech-Firmen». In: Neue Zürcher Zeitung (NZZ). 6. September 2022, abgerufen am 21. September 2022.
  2. ↑ Unternehmen: Signal-Chefin Meredith Whittaker tritt in den Verwaltungsrat von Burda ein | Burda News. Abgerufen am 2. Juli 2025.
  3. ↑ a b c d e f g h i j Svenja Bergt: Signal-Chefin über Datenschutz: „Privatheit würde es nicht mehr geben“. In: taz. 10. Oktober 2025, abgerufen am 11. Oktober 2025.
  4. ↑ Kritik an Google: „Sogenannte KI basiert von Natur aus auf einer Machtbeziehung“. In: heise online. Abgerufen am 1. September 2022.
  5. ↑ Google Walkout For Real Change: Onward! Another #GoogleWalkout Goodbye. In: Medium. 16. Juli 2019, abgerufen am 1. September 2022 (englisch).
  6. ↑ NYU Tandon School of Engineering: Faculty – Meredith Whittaker. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 7. Oktober 2022; abgerufen am 21. September 2022 (englisch).
  7. ↑ Meredith Whittaker. In: AI Now Institute. Abgerufen am 22. September 2023 (amerikanisches Englisch).
  8. ↑ FTC Chair Lina M. Khan Announces New Appointments in Agency Leadership Positions. 19. November 2021, abgerufen am 1. September 2022 (englisch).
    Vgl. auch Andreas Proschofsky: Neue Signal-Chefin: "Werden uns nicht am Geschäftsmodell der Überwachung beteiligen". In: Der Standard. 6. September 2022, abgerufen am 7. September 2022.
  9. ↑ A Message from Signal’s New President. Abgerufen am 6. September 2022 (englisch).
    Vgl. auch Nitasha Tiku: Encrypted app Signal just hired one of Big Tech’s sharpest critics. In: Washington Post. 6. September 2022, abgerufen am 7. September 2022.
    Ebenso Oliver Bünte: Google-Kritikerin Meredith Whittaker wird Präsidentin von Signal. In: heise online. 6. September 2022, abgerufen am 7. September 2022.
  10. ↑ Signal Foundation. Abgerufen am 1. September 2022 (englisch).
  11. ↑ TIME100 AI 2023: Meredith Whittaker. 7. September 2023, abgerufen am 22. September 2023 (englisch).
  12. ↑ Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung: Helmut-Schmidt-Zukunftspreis 2024. 2024, abgerufen am 13. Juni 2024 (deutsch).