Palazzo di Città (Salerno)

Palazzo di Città

Der Palazzo di Città ist ein Palast aus den 1930er-Jahren im Zentrum der italienischen Hafenstadt Salerno in der Region Kampanien. Dort ist die Kommunalverwaltung untergebracht.[1]

Geschichte

Der Portikus

Nach der Einigung Italiens und infolge der steigenden Einwohnerzahlen stellte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das Problem, neue Räumlichkeiten für die unzureichend im Palazzo Sant'Antuono untergebrachte Gemeindeverwaltung von Salerno zu finden. Das Problem verschärfte sich unter Bürgermeisters Matteo Luciani (1885–1888), als sich die Stadt über die Stadtmauern hinaus auszudehnen begann und neue große öffentliche Gebäude entlang der Küste am Lungomare Trieste entstanden.

Bei der Standortfrage des neuen Rathauses standen sich zwei Positionen gegenüber. Eine Gruppe schlug die Restaurierung des Palazzo Genovese am Largo Campo vor, die andere einen Neubau nördlich der Piazza Portanova oder an der Via Roma, die man letztendlich wählte.

Erste Sitzung der Regierung Badoglio im Marmorsalon

Die Stadt Salerno kündigte 1926 einen Wettbewerb zur Realisierung des Palazzo di Città an, der symbolträchtig die Kultur, die Wirtschaft und das Wachstum der Stadt repräsentieren sollte. Trotz der zahlreichen und von maßgebliche Architekten eingereichten Projekte, fand kein Entwurf eine Zustimmung.

1928 gewann Camillo Guerra die Ausschreibung für die Stelle eines Chefingenieurs der Stadt Salerno. Zu den ersten Aufgaben, die ihm anvertraut wurden, gehörte die Erstellung eines Projektes für den Palazzo di Città. Der aus Neapel stammende Architekt Guerra sah sich sofort mit einer Reihe von Problemen konfrontiert. So besaß das festgelegte Grundstücks eine unregelmäßige Form und lag in einer Randlage. Auch die Vorausgabe für den Bau eines Portikus stellte sich als Problem heraus, da wegen der Problemen mit dem Grundstück, der Portikus niemals in einer Achse, mit dem des Palazzo Natella errichtet werden konnte.

Guerra arbeitete infolgedessen 13 verschiedene Pläne für den Grundriss aus sowie fünf für den Baustil des Projektes, aus denen die Gemeindeverwaltung das endgültige Bauprojekt auswählte.

Die Probleme endeten damit jedoch nicht, da im Laufe der Arbeiten das beauftragte Bauunternehmen wegen der langsamen Ausführung scharf öffentlich kritisiert wurde. Auch Guerra selbst hielt sich nicht mit Kritik zurück, da er auf Unstimmigkeiten bei der Ausführung stieß. All dies führte zur Kündigung des Vertrages im Jahre 1933. Zwischen 1934 und 1935 gab es weitere Änderungen durch die Baukommission, die zur Streichung der Hofüberdachung, aber auch zur Entlassung Guerras als Chefingenieur führten.

Am 3. Januar 1937 fand die offizielle Einweihung des Gebäudes mit dem Einzug der Büros statt.

In der Zeit von Februar bis Juli 1944 war der Palazzo di Città Regierungssitz der Regierung Badoglio und der Regierung Bonomi II, Sitz des Innenministers und des Ministers der Nationalen Erziehung. Die Sitzungen des Ministerrates fanden im Marmorsaal statt.

Beschreibung

Detail der Fassade

Der Palast besteht aus einem Erdgeschoss, einem Zwischengeschoss und einem ersten und zweiten Obergeschoss, auf das im Laufe der 1960er-Jahre ein drittes Obergeschoss aufgesetzt wurde.

Der Grundriss ist vollkommen unsymmetrisch: Auf der Nord- und Westseite liegt der Portikus, die im ersten Teil mit dem benachbarten Portikus des Palazzo Natella fluchtet, während der mittlere Baukörper leicht vorspringt, sodass er für die zu sehen ist, die entweder aus Richtung des Bahnhofs oder aus der des Teatro Verdi kommen. Seitlich des Haupteingangs befinden sich zwei Nebeneingänge, durch die man heute normalerweise in den Palast gelangt. Durch den Portikus auf der Westseite gelangt man in das Filmtheater Augusteo.

Camillo Guerra schreibt, dass das Aussehen des Gebäudes im Wesentlichen dem originalen Projekt entspräche, da die Bauweise vernünftigerweise mit ihren verschiedenen Details einem klassischen Schema entspräche und so dem Palast einen klassizistischen Eindruck verleihe, der so gut zur Umgebung passte, in der er stehe, ebenso wie den Charakter einer imperialen Architektur, die die bedeutendsten Werke des Regimes nicht außer Acht lasse.

In der Beschreibung des Palastes führt Guerra aus, dass das realisierte Projekt die vorhergehenden Projekte vereinfache, indem es u. a. auf die Glockentürme verzichtete und alle Verzierungen radikal modernisiere. In der definitiven Ausführung wurden die Bossenwerke des Sockelbereiches weggelassen und nur neben dem Eingangstor wurden zwei Gruppen stilisierter Liktorenbündel angebracht (die nach dem Ende des Faschismus beseitigt wurden). Des Weiteren wurden vier Halbreliefe aus Bronze geschaffen, um die großen Bogenfenster im vorspringenden, mittleren Baukörper zu schmücken. Von den vieren, die Gaetano Chiaromonte schuf, wurde nur eines platziert, das den „Marsch auf Rom“ zeigte und das ebenfalls nach dem Fall des Faschismus entfernt und zerstört wurde. Die anderen drei wurden kürzlich restauriert und im Korridor vor dem Marmorsaal aufgestellt.

Das Gewölbe des Teatro Augusteo

Nach der Außenansicht ist die Dekoration des Innenhofes, der fast zur Hälfte von der Treppe beansprucht wird, von größter architektonischer Bedeutung. Aus diesem Grunde entschied Guerra, die großen Giebelwände der Treppenzüge nicht zu realisieren. Stattdessen ließ er schlanke Stützbögen errichten, die später durch eine große Glaswand ergänzt wurden. Letztere wurde Ende der 1990er-Jahre von Antonio Perotti aus Salerno geschaffen und zeigt das Stadtwappen mit dem heiligen Matthäus. Die Stufen sind durch zweifarbigen Marmor gekennzeichnet: Einen dunkleren für die Setzstufen und einen helleren für die Trittstufen. In einer vorhergehenden Version war auch ein Glas-Betondach für den Innenhof vorgesehen, das aber von der Baukommission gestrichen wurde.

Fast die Hälfte des Erdgeschosses nimmt das Lichtspieltheater Augusteo mit einer Kapazität von 700 Sitzplätzen ein. Die Beleuchtung des Kinos wurde in besonderer Weise ausgearbeitet, um sicherzustellen, dass sich das Licht allmählich von den Kassetten des Gewölbes im ganzen Raum ausbreitet. Das Lichtspieltheater hatte von Anfang Probleme mit der Akustik, sodass die Verwaltung sich 1938 gezwungen sah, Korrekturen an der Akustik vorzunehmen.

Die Repräsentationsräume

Der Innenhof mit der Treppe

Die Repräsentationsräume befinden sich im ersten Obergeschoss des Gebäudes. Sie bestehen aus einer Reihe von Sälen und Dienstzimmern, für die die Stadt Salerno einen dringenden Bedarf hatte. Von der Haupttreppe gelangt man in einen großen Flur, über den man durch drei Türen in den Empfangssaal gelangt. Der Saal wird wegen seiner mehrfarbigen Marmorplatten, wie dem großfleckigen Vitulana-Marmor, mittlerweile allgemein als Salone dei Marmi (dt. Marmorsaal) bezeichnet. Er wird für Ausstellungen, Tagungen und Stadtratssitzungen genutzt und besitzt fünf Balkone zur Meerseite hin sowie einige Nischen mit Bronzefiguren. Der obere Teil der Saalwände besteht aus einem zweieinhalb Meter breiten Bilderfries, der sich über die gesamten Wände erstreckt. Dargestellt ist dort die Geschichte von Salerno, von der Gründung über den Transport des Körpers des heiligen Matthäus, bis zur Einigung Italiens, dem Ersten Weltkrieg und dem Aufstieg Mussolinis. Der Fries, den der Maler Pasquale Avallone schuf, wurde erst 1947 fertiggestellt und daher teilweise thematisch modifiziert.

Aus dem Marmorsaal gelangt man in den Sala della Consulta (dt. Ratssaal), der heute Sala del Gonfalcone (dt. Bannersaal) genannt wird. Der Raum ist über die Kassettendecke aus Glas-Beton und durch eine breite Glaswand auf der kurzen Raumseite belichtet. Auf beiden Seiten des Saales sind oben zwei Reliefe aus Alabaster eingesetzt, die Arturo Beraglia aus Salerno schuf und symbolisch die Landwirtschaft und den Seehandel darstellen. Zu bewundern sind außerdem vier ovale Gemälde von Pasquale Avallone, die folgende Allegorien zeigen: Die Sparsamkeit, den Fleiß, die Landwirtschaft und den Seehandel. Sie wurden 1930 ursprünglich für den Palazzo della Banca d’Italia geschaffen.

Außer diesen beiden Sälen finden sich unter den Repräsentationsräumen auch ein großer Saal für die Kommissionen (heute Sala Giunta – dt. Gemeinderatssaal), sowie die Amtszimmer und die Kabinette des Podestà und des Vize-Podestà (heute genutzt vom Bürgermeister und seinem Stellvertreter). Im Zugangskorridor steht eine Kopie aus getöntem Gips der Statue des Musikers Giovanni Battista Pergolesi, die 1871 Giovanni Amendola für das Teatro Verdi schuf, sowie eine Gipskopie der Büste von Matteo Luciani, die 1936 von Pasquale Avallone geschaffen wurde.

Commons: Palazzo di Città – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. ↑ Palazzo di Città. Comune di Salerno, archiviert vom Original am 27. November 2021; abgerufen am 28. Juli 2025 (italienisch).

Koordinaten: 40° 40′ 42,6″ N, 14° 45′ 21,6″ O