Paul Sonntag (Lehrer)

Paul Sonntag (* 14. November 1863 in Danzig; † 12. November 1922 ebenda) war ein deutscher Pädagoge und Naturforscher.

Leben

Herkunft und Ausbildung

Er kam 1863 als Sohn eines Schiffskapitäns im Bezirk Neufahrwasser der Großstadt Danzig zur Welt, die damals etwa 77.000 Einwohner hatte und innerhalb des Königreiches Preußen Hauptstadt der Provinz Westpreußen war. In seiner Heimatstadt besuchte er das Realgymnasium zu St. Johann und bestand dort zu Ostern 1882 die Reifeprüfung.[1] Anschließend studierte er an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität und an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg Naturwissenschaften. Nachdem er als Einjährig-Freiwilliger im Kaiser Alexander Garde-Grenadier-Regiment Nr. 1 gedient hatte,[1] wurde er 1886 in Berlin mit der Dissertation Über Dauer des Scheitelwachstums und Entwicklungsgeschichte des Blattes zum Dr. rer. nat. promoviert. Schließlich erwarb er 1888 durch das Staatsexamen die Lehrbefähigung für höhere Lehranstalten.

Berufliche Karriere

Seinen Einstieg ins Berufsleben fand Sonntag als Assistent von Ludewig Wittmack am Museum der Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin.[1] Ab 1892 arbeitete er als Lehrer – nacheinander in Friedrichsdorf (Obertaunuskreis, Provinz Hessen-Nassau), in Strehlen (Kreis Strehlen, Provinz Schlesien) sowie in Kattowitz (ebenfalls Provinz Schlesien). Letztlich wechselte er 1902 nach Danzig, wo er bis April 1922 an der Oberrealschule zu St. Petri und Pauli unterrichtete.

Nach längerer schwerer Krankheit[1] starb er im Herbst 1922 zwei Tage vor seinem 59. Geburtstag.

Naturforschung

Neben seinem pädagogischen Hauptberuf betätigte sich Sonntag als umtriebiger Naturforscher. Er widmete sich zwei unterschiedlichen Fachgebieten. Zunächst konzentrierte er sich auf die Botanik und führte dabei zumeist pflanzenanatomische Studien durch.[1] Etwa zur Jahrhundertwende verlagerte sich sein Interessenschwerpunkt auf die Geologie, der er sich bald nahezu ausschließlich verschrieb. Entsprechend der Lage seines Wohn- und Heimatortes Danzig beschäftigte er sich vor allem mit Fragestellungen zur pleistozänen (= diluvialen) Sedimentologie und Glaziologie der Region.[1]

Paul Sonntag engagierte sich im Westpreußischen Botanisch-Zoologischen Verein, im Westpreußischen Geschichtsverein sowie in der Naturforschenden Gesellschaft in Danzig. Letztere verwaltete unter anderem die Humboldt-Stiftung, aus deren Finanzmitteln naturwissenschaftliche Forschungen vornehmlich zur Landeskunde Westpreußens gefördert werden sollten. Sonntag erhielt mehrfach Stipendien aus dieser Stiftung: So gewährte man ihm beispielsweise im Jahr 1914 300 Mark „zur Fortführung seiner Studien über die Geologie des unteren Weichselgebietes“,[2] während er 1916 für „geologische Studien im Karthäuser Seengebiet“ 450 Mark[3] und 1917 für „geologische Studien in Westpreußen“ abermals 450 Mark zugesprochen bekam.[4]

Publikationen (Auswahl)

Botanik

  • Sonntag: Über die Dauer des Scheitelwachstums und Entwicklungsgeschichte des Blattes. In: Jahrbücher für Wissenschaftliche Botanik. Band 18, 1887, Seiten 236–262.
  • Sonntag: Die duktilen Pflanzenfasern, der Bau ihrer mechanischen Zellen und die etwaigen Ursachen der Duktilität. In: Flora oder Allgemeine Botanische Zeitung. Band 99, Heft 3, 1909, Seiten 203–259.
  • Sonntag: Die mikroskopische Unterscheidung der Hanf- und Flachsfaser und die Drehungserscheinungen beim Anfeuchten von Fasern. In: Jahresbericht der Vereinigung für Angewandte Botanik. Band 9, 1912, Seiten 140–163.

Geologie

Monographien

  • Sonntag: Geologischer Führer durch die Danziger Gegend. Eine Einführung in die Welt der geologischen Erscheinungen unserer Heimat. Verlag von A. W. Kafemann, 1910, 156 Seiten.
  • Sonntag: Geologie von Westpreußen. Verlag von Gebrüder Borntraeger, 1919, 340 Seiten.

Beiträge in Sammelwerken

Fachaufsätze

  • Sonntag: Strandverschiebungen an der Weichselmündung bei Danzig in historischer und prähistorischer Zeit. In: Mitteilungen des Westpreußischen Geschichtsvereins. Jahrgang 6, № 3, 1907, Seiten 41–42.
  • Sonntag: Glaziale Stauchungen und Schichtenstörungen im Diluvium und Tertiär der Danziger Gegend. In: Schriften der Naturforschenden Gesellschaft in Danzig. Neue Folge, Band 12, Heft 4, 1910, Seiten 23–31.
  • Sonntag: Über ein Vorkommen von Phragmites oeningensis A. Braun im Tertiär bei Danzig. In: Schriften der Naturforschenden Gesellschaft in Danzig. Neue Folge, Band 12, Heft 4, 1910, Seiten 93–95.
  • Sonntag: Der Zarnowitzer See und sein Moränenkranz. In: Schriften der Naturforschenden Gesellschaft in Danzig. Neue Folge, Band 13, Heft 2, 1912, 153–167.
  • Sonntag: Die Urstromtäler des unteren Weichselgebietes. In: Schriften der Naturforschenden Gesellschaft in Danzig. Neue Folge, Band 13, Heft 3/4, 1912, Seiten 25–58.
  • Sonntag: Danziger Weichsel — Linewka — Neuer Graben. In: Mitteilungen des Westpreußischen Geschichtsvereins. Jahrgang 13, № 3, 1914, Seiten 49–54.
  • Sonntag: Hela, die Frische Nehrung und das Haff. Nach älteren Karten und Nachrichten entwickelungsgeschichtlich betrachtet. In: Schriften der Naturforschenden Gesellschaft in Danzig. Neue Folge, Band 14, Heft 1, 1915, Seiten 32–59.
  • Sonntag: Zur Frage der Verbiegung des Leba-Rheda-Urstromtals. In: Centralblatt für Mineralogie, Geologie und Paläontologie. Jahrgang 1915, № 13, Seiten 398–401.
  • Sonntag: Altes und Neues vom diluvialen Thorner Stausee. In: Schriften der Naturforschenden Gesellschaft in Danzig. Neue Folge, Band 14, Heft 2, 1916, Seiten 66–86.
  • Sonntag: Die diluvialen Landschaftsformen Westpreußens und ihre Verbreitung. In: Schriften der Naturforschenden Gesellschaft in Danzig. Neue Folge, Band 14, Heft 3, 1917, Seiten 1–18.
  • Sonntag: Neue geologische Bilder und Skizzen aus Westpreußen. In: Schriften der Naturforschenden Gesellschaft in Danzig. Neue Folge, Band 14, Heft 4, 1918, Seiten 67–88.
  • Sonntag: Über einige Fragen aus der Entwicklungsgeschichte des Weichseldeltas. In: Mitteilungen des Westpreußischen Geschichtsvereins. Jahrgang 19, № 2, 1920, Seiten 20–24.

Einzelnachweise

  1. ↑ a b c d e f Bericht des Westpreußischen Botanisch-Zoologischen Vereins. Bände 45–48, 1924, Seiten VII–VIII.
  2. ↑ Schriften der Naturforschenden Gesellschaft in Danzig. Neue Folge, Band 14, Heft 1, 1915, Seite IX
  3. ↑ Schriften der Naturforschenden Gesellschaft in Danzig. Neue Folge, Band 14, Heft 3, 1917 Seite VI
  4. ↑ Schriften der Naturforschenden Gesellschaft in Danzig. Neue Folge, Band 14, Heft 4, 1918, Seite VI.