Die 1861 gegründete Siedlung Saint-Jean-Baptiste hatte ab 1872 nach Plänen des Architekten Alphonse Raza eine erste Kirche erhalten, die – noch unvollendet – am 28. Juni 1874 eingeweiht werden konnte. Die Übernahme der weiteren Baukosten durch die politische Gemeinde Saint-Jean-Baptiste führte zu deren Zahlungsunfähigkeit und nachfolgend 1886 zu ihrer Eingemeindung nach Montreal. Bis 1882 waren der Innenausbau durch die Architekten Maurice Perreault und Albert Mesnard und 1888 die Sakristei nach Plänen von Victor Roy vollendet. Erst 1897 wurde der Kirchenbau mit der von zwei Turmpfeilern begrenzten und von einem mächtigen Turmaufbau mit laternenbekröntem Steilhelm überhöhten Fassade durch Joseph Venne abgeschlossen, aber bereits am 29. Januar 1898 durch einen Brand zerstört.
Aus einem Wettbewerb um den Wiederaufbau unter den katholischen Architekten Montreals ging der Entwurf von Emile Vanier siegreich hervor. Die Einweihung vollzog am 25. Juni 1903 Erzbischof Paul Bruchési. Bereits am 27. Juni 1911 wurde die Kirche durch einen weiteren Brand beschädigt, dem der Dachstuhl und die Kuppel sowie die gesamte Innenausstattung zum Opfer fiel. Den anschließenden Wiederaufbau leitete der Architekt Casimir Saint-Jean, der den Kirchenbau unter Verzicht auf die ursprüngliche Kuppel und mit Vergrößerung des Chorraums bis zum Jahr 1915 vollendete. Die Neuweihe der Kirche fand am 14. März 1915 durch Erzbischof Bruchési statt. Eine weitere Restaurierung fand 1987 statt.
Die Kirche hat, nachdem eine 1967 in der Folge des Zweiten Vatikanischen Konzils beschlossene liturgische Neuordnung des Kirchenraums aus Kostengründen unterblieben ist, vollständig ihre von Jean-Baptiste Lagacé entworfene künstlerische Ausstattung der Wiederaufbauphase nach 1911 bewahrt, darunter den aus Carrara-Marmor hergestellten Baldachinaltar. Die Farbverglasungen der Fenster schuf 1932 Guido Nincheri.
Orgel
Orgel
Bei ihrer Fertigstellung 1908 erhielt die Kirche zunächst eine Orgel eine Orgelbaufirma Casavant Frères mit 59 Registern als deren opus 615, die beim Brand von 1911 vernichtet wurde. Nach ihrem Wiederaufbau errichteten Casavant Frères 1915 eine Hauptorgel mit 65 Registern als opus 615, eine Chororgel mit 15 Registern als opus 616 sowie 1916 eine kleinere Orgel mit 7 Registern als opus 656 in der Chapelle Saint-Louis. Die Hauptorgel erfuhr 1995/1996 eine umfassende Restaurierung durch Casavant unter teilweiser Veränderung der Disposition.[1]
ursprüngliche Disposition der Hauptorgel von 1915:
Monique Jarry: L'église Saint-Jean-Baptiste et ses abords. Étude historique et évaluation patrimoniale. Montréal, Service de l'habitation et du développement urbain de la Ville de Montréal, 1990.