Synagoge Neustadt am Rübenberge
Die Synagoge Neustadt am Rübenberge befand sich von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1938 in der Mittelstraße 18/19 in Neustadt am Rübenberge.
Geschichte
Juden waren in Neustadt am Rübenberge seit dem 16. Jahrhundert ansässig.[1] 1843 wurde eine Synagogengemeinde gegründet, die auch die Orte Basse, Mandesloh, Rodewald und Wulfelade umfasste.[2] 1846 erhielt die Gemeinde von der Landdrostei Hannover die Genehmigung für die Einrichtung einer Synagoge ein Haus zu erwerben.[3] Die Einrichtung der Synagogengemeinde und die Erlaubnis der Landdrostei zum Kauf des Hauses sprechen für die Etablierung der Synagoge um das Jahr 1846. Die jüdische Gemeinde blieb bis in die Zeit des Nationalsozialismus ein aktiver Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens in Neustadt. Ihre Mitglieder stellten nicht nur wichtige lokale Handwerks- und Wirtschaftsbetriebe, sondern nahmen auch aktiv am gesellschaftlichen Leben und an der Arbeit in Vereinen teil.[4][5]
Baubeschreibung
Synagoge und Gemeindehaus in Neustadt am Rübenberge waren einfache Bauten, die sich nicht von den Häusern in der unmittelbaren Umgebung abhoben.[6] Erhaltene Skizzen und Fotos[7] des Gemeindehauses zeigen einen schlichten, giebelständigen Fachwerkbau mit rechteckigem Grundriss. Er besaß ein hohes, steiles Satteldach. Die symmetrisch gegliederte Fassade zeigte regelmäßig angeordnete Fensterachsen und ein mittig gelegenes, rundbogig gefasstes Eingangstor. Das Fachwerk war konstruktiv klar ausgebildet. Schmuckformen traten zugunsten einer funktionalen, dörflich geprägten Bauweise zurück.
Zerstörung
Am Vorabend der Pogromnacht 1938 waren SA, SS, Hitlerjugend und andere NS-Organisation bereits in Lüders’ Saal versammelt. Die Ausschreitungen begannen kurz nach Mitternacht. Fenster und Inneneinrichtung der Synagoge wurden demoliert, das Dach abgedeckt. Das Gebäude wurde wegen der dichten Nachbarbebauung jedoch nicht in Brand gesetzt. Der jüdische Leichenwagen wurde mit den Torarollen umwickelt und zwischen den Leinebrücken, gegenüber dem Haus der Familie Meinrath, abgestellt. Am Abend des 10. Novembers wurde der Wagen in Brand gesetzt. Jüdische Geschäfte und Wohnungen wurden geplündert und zerstört, die jüdischen Mitbürger in sogenannte Schutzhaft genommen.[8][9]
Anfang der 1950er Jahre wurde der Bau abgerissen.[10]
Gedenken
Eine Gedenktafel, die an die jüdische Gemeinde und ihr Gotteshaus erinnert, befindet sich seit 1985 am früheren Standort der Synagoge. Einen Hinweis auf den Novemberpogrom hatte der Rat der Stadt abgelehnt.[11] Weitere Erinnerungsorte und Ausstellungen folgten in den 2000er Jahren, jedoch ebenfalls nicht ohne Reibereien zwischen der Stadt und den Ehrenamtlichen, die für diese Erinnerungsarbeit eintraten.[12]
Siehe auch
- Jüdischer Friedhof (Neustadt am Rübenberge)
- Liste der im Deutschen Reich von 1933 bis 1945 zerstörten Synagogen
Weblinks
- Synagoge Neustadt am Rübenberge auf jewish-places.de
- GIS Objekte Hannover: Ehemalige Synagoge Neustadt
- Neustadt am Rübenberge auf juedische-gemeinden.de
Einzelnachweise
- ↑ Hubert Brieden: "Das jüdische Gebetshaus wurde geschlossen". Diskriminierung, Verfolgung und Vernichtung einer Minderheit in Neustadt am Rübenberge. 2. Auflage. Verlag Region + Geschichte, Neustadt am Rübenberge 2007, ISBN 978-3-930726-12-7, S. 24–26.
- ↑ Brieden, Minderheit in Neustadt 32.
- ↑ NLA HA, Hann. 80 Hannover, Nr. 16931 In: Arcinsys Niedersachsen und Bremen. Niedersächsisches Landesarchiv; abgerufen am 15. Dezember 2025
- ↑ Brieden, Minderheit in Neustadt 35–49.
- ↑ Herbert Obenaus, David Bankier, Daniel Fraenkel: Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen. Wallstein, Göttingen 2005, ISBN 978-3-89244-753-5, S. 1093.
- ↑ Brieden, Minderheit in Neustadt 22
- ↑ Vgl. die Abbildungen in Brieden, Minderheit in Neustadt 22–23.
- ↑ Brieden, Minderheit in Neustadt 113–125.
- ↑ Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen 1095–1096
- ↑ Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen 1098
- ↑ Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen 1098.
- ↑ Brieden, Minderheit in Neustadt 233–239.
Koordinaten: 52° 30′ 22,6″ N, 9° 27′ 39,8″ O