Evangelische Kirche Niederdünzebach

Ansicht von Süden

Die Evangelische Kirche Niederdünzebach ist ein denkmalgeschütztes Gebäude im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis. Der dreigliedrige Bau besteht aus einem längeren Kirchenschiff, einem holzverkleideten Fachwerkturm und einer sich östlich anschließenden Kapelle. Die Kirche erhebt sich auf einer kleinen Anhöhe in der Ortsmitte von Niederdünzebach, einem Stadtteil von Eschwege. Die Kirchengemeinde des Ortes ist mit den Gemeinden Oberdünzebach und Aue im Kirchspiel Niederdünzebach verbunden. Pfarrsitz mit dazugehörigem Pfarrhaus und dem Gemeindehaus ist Niederdünzebach. Mit den benachbarten Kirchspielen gehört Niederdünzebach zum Kooperationsraum Meinhard-Wanfried im Kirchenkreis Werra-Meißner, innerhalb der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck im Sprengel Kassel.[1]

Kirchengebäude

Taufstein, Altar und Kanzel vor dem Spitzbogen zum Raum des Glockenturms
Die Orgel von Johann Wilhelm Schmerbach dem Mittleren aus dem Jahr 1804 an der westlichen Seite

Das Kirchenschiff wurde vermutlich in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts errichtet, wie es ein noch erhaltenes kleines Spitzbogenfenster an der Nordfassade mit der Jahreszahl 1556 belegt. Der spätgotische Saal wurde im Jahr 1823, wahrscheinlich nach den Plänen des Landbaumeisters Johann Friedrich Matthei (* 1790; † 1874), zu einer schlichten Halle im klassizistischen Stil, mit schlanken vielsprossigen Rundbogenfenstern umgebaut. Bei einer erneuten Umarbeitung in den Jahren 1954 und 1955 ist der Haupteingang von der Nordseite an die Westseite verlegt worden. An der westlichen Seite befindet sich auch die Empore, die in der Mitte eine Auskragung für die dreiflügelige Orgel hat. Diese baute 1804 der Orgelbauer Johann Wilhelm Schmerbach der Mittlere (* 1765; † 1831) aus Frieda. Der Altar, der Taufstein sowie die neue Kanzel, die die frühere schlichte hölzerne Kanzel ersetzt, sind vor einem Spitzbogen angeordnet, der zum Raum des Glockenturmes führt.[2][3]

Der holzverkleidete Fachwerkturmaufbau über dem alten erhaltenen Steinunterbau ist wohl um 1609 aufgesetzt und 1721 erneuert worden. Der markante Holzkirchturm mit Krüppelwalmdach und Zwerchgiebeln wird als einmalig in Hessen angesehen. Eine der beiden Glocken entstand um 1500, die andere wird auf das Jahr 1520 datiert.[2][3]

Ältester Teil der Kirche, im Kirchenbuch alte Kapelle genannt, ist der Chor aus dem Jahr 1516, mit einem spätgotischen Fünfachtelschluss, schlanken Spitzbogenfenstern und kleiner Spitzbogentür. Baufällig geworden drohte der Kapelle 1949 der Abriss. Das Gewölbe war sicherheitshalber schon herausgeschlagen worden, eine Bretterwand trennte in dieser Zeit den Chorraum vom übrigen Kirchenschiff. Nach zahlreichen Renovierungen von innen und von außen und der zwischenzeitlichen Nutzung als Rumpelkammer entstand ein „Raum der Stille“, in den mit dem Sonnenlicht bunte Farben durch die Fenster mit farbigem Glas fallen. Um die Kapelle lag einst der Friedhof, der 1846 vor das Dorf verlegt worden ist.[2][3] Unterhalb des Chores befindet sich die wiederhergestellte historische Brunnenanlage Niederdünzebachs, die um 1855 errichtet, bis 1935 genutzt, in den 1960er Jahren verfüllt und in der Zeit von 2012 bis 2014 rekonstruiert wurde.[4]

Künstlerische Ausgestaltung

Bei der neuen Gestaltung des Innenraums der Kirche im Jahr 2009 verwendete der ausführende Künstler Stefan Pietryga (* 1954) eine Kombination von Stein und farbigem Glas, das im Tagesverlauf durch Lichteinfall und Lichtbrechungen eine immer neue Wirkung entfalten soll. Die Fenster im Chorraum, in Grün, Blau, Rot und Gelb, wurden nach dem Goetheschen Farbenkreis gestaltet um eine zur Meditation einladende Atmosphäre zu schaffen. Eine neu eingebaute Glastür trennt den Bereich von dem Turmraum. In den Sandsteinblock der neuen Kanzel setzte der Künstler eine vertikale Glasscheibe mit einem blauen Kreuz, um Lichtreflexe in ständig neuer Form entstehen zu lassen. Das Glaskunstwerk über dem Taufstein zeigt ein Kreuz, dessen Zentrum herausgenommen und über der Kanzel angebracht worden ist.[5][6][7]

Denkmalschutz

Im Vordergrund, vor der Kapelle, die wiederhergestellte historische Brunnenanlage

Wegen „ihrer geschichtlichen Bedeutung als wichtiges Zeugnis des dörflichen Lebens“ wird die Kirche als ein Kulturdenkmal geschützt. Sie ist Teil der Gesamtanlage Niederdünzebach, zu der der historische Ortskern in der Umgebung der Kirche und die Straßen „Am Bache“ und „Auer Straße“ gehören und die aus orts- und siedlungsgeschichtlichen Gründen unter Denkmalschutz steht.[2] Im Denkmalverzeichnis des Landes Hessen hat die Kirche die Nummer 39859[8] und die Gesamtanlage Niederdünzebach die Nummer 39846.[9]

Literatur

  • Susanne Jacob in Zusammenarbeit mit Thomas Wiegand: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen, Werra-Meißner-Kreis 2, Stadt Eschwege. Herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen. Friedr. Vieweg & Sohn, Braunschweig/Wiesbaden 1992, ISBN 3-528-06241-X, S. 378 f.
  • Georg Dehio. Bearbeitet von Magnus Backes: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Hessen. 1. Auflage. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 1966, S. 624.
  • Harald Sagawe: Eine ganz besondere Kirche. Künstler arbeitete mit Glas und Stein. In: Die Kirche im Dorf lassen. Werra-Rundschau vom 13. März 2019.

Einzelnachweise

  1. ↑ Niederdünzebach auf der Website des Evangelischen Kirchenkreises Werra-Meissner; abgerufen am 16. September 2025.
  2. ↑ a b c d Susanne Jacob in Zusammenarbeit mit Thomas Wiegand: Niederdünzebach In: Denkmaltopographie Werra-Meißner-Kreis 2. Stadt Eschwege. S. 378 f.
  3. ↑ a b c Niederdünzebach. In: Georg Dehio. Bearbeitet von Magnus Backes: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler - Hessen. S. 624.
  4. ↑ Jahreszahlen von der Informationstafel bei der Brunnenanlage.
  5. ↑ Harald Sagawe: Eine ganz besondere Kirche. Künstler arbeitete mit Glas und Stein. In: Die Kirche im Dorf lassen. Werra-Rundschau vom 13. März 2019.
  6. ↑ Lothar Simmank: Stefan Pietryga setzt auf Dialog: Offene Kirche am Weg in Niederdünzebach. In: blick in die kirche. Herausgegeben vom Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Ausgabe 3/2011.
  7. ↑ Gernot Hübner: Informationen und Gedanken zur künstlerischen Ausgestaltung der Kirche Niederdünzebach; abgerufen am 16. September 2025.
  8. ↑ Ev. Kirche Niederdünzebach, Auer Straße 15a. In: Kulturdenkmäler in Hessen. Website des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen; abgerufen am 16. September 2025.
  9. ↑ Gesamtanlage Historischer Ortskern Niederdünzebach. In: Kulturdenkmäler in Hessen. Website des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen; abgerufen am 16. September 2025.

Koordinaten: 51° 10′ 41,5″ N, 10° 5′ 41,4″ O