Johann Friedrich Matthei
Johann Friedrich Matthei (* 1790 in Rodenberg; † 26. April 1874 in Witzenhausen) war ein deutscher Architekt und kurhessischer Landbaumeister. Er gilt als wichtiger Baumeister des Klassizismus im damaligen Kurhessen.
Leben
Nach Studienbeginn der Mathematik und Architektur an der Universität Rinteln, die damals zur Landgrafschaft Hessen-Kassel gehörte und 1810 ihren Lehrbetrieb einstellte, praktizierte Johann Friedrich Matthei im Tiefbau (damals Wege-Wasserbau genannt) und beendete sein Studium an der Universität Göttingen.
Er arbeitete zunächst im Schaumburgischen, bevor er ab 1817 bei einem Baumeister in Allendorf a. d. Werra arbeitete, 1821 aber zum kurfürstlichen Landbaumeister der Kreise Eschwege und Witzenhausen wurde und hier für den Bau öffentlicher Gebäude verantwortlich war, u. a. Kirchen, Pfarrhäuser, Schulen, Mühlen, Forstämter sowie den Wege- und Wasserbau. In den Jahren von 1821 bis 1854 vollendete Matthei 22 Kirchenbauten. Ab 1840 war er nur noch für den Kreis Witzenhausen zuständig, den er bis 1870 betreute.
Sein Enkel war der Maler Theodor Matthei, Mitglied der Willingshäuser Malerkolonie.
Werke
Chronologische Liste der Bauten Mattheis in Nordhessen, die wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Bedeutung denkmalgeschützt sind:
| Bild |
Bezeichnung | Lage | Beschreibung | Bauzeit | Objekt-Nr. |
|---|---|---|---|---|---|
![]() weitere Bilder |
Evangelische Kirche St. Georg Grebendorf | Kirchstraße 25 Lage Flur: 12, Flurstück: 133/1
|
Das Gebäude wurde nach Mattheis Plänen auf dem Platz eines kleineren Gotteshauses aus dem 14. oder 15. Jahrhundert errichtet, das wegen Baufälligkeit um 1820 abgerissen wurde. Unmittelbar danach ist an den Kirchturm die neue Querkirche mit unverputzten Sandsteinen angefügt worden. Im Jahr 1843 wurde von dem Turm der ebenfalls baufällig gewordene hölzerne Teil abgetragen und der verbliebene Rumpf danach um 7 Meter auf die heutigen 25 Meter aufgestockt. | 1820/21 | 38147 |
![]() weitere Bilder |
Evangelische Kirche Alberode | Kombergstraße 12 Lage Flur: 2, Flurstück: 57/2, 59/2
|
Für Alberode entwarf Matthei einen würfelförmigen Fachwerksaalbau, der von einem Walmdach bedeckt wird, dem in der Mitte ein Dachreiter aufsitzt. Bei einer Renovierung im Jahr 1964 ist die Kirche, dessen Fachwerk der Witterung stark ausgesetzt war, komplett mit Holzschindeln verkleidet worden. Diese sind dann in den 2000er Jahren durch langlebigere aus Schiefer ersetzt worden. | 1823 | 38302 |
![]() weitere Bilder |
Evangelische Kirche Niederdünzebach | Auer Straße 15a Lage Flur: 2, Flurstück: 39
|
Der dreigliedrige Bau besteht aus einem längeren Kirchenschiff, einem holzverkleideten Fachwerkturm und einer sich östlich anschließenden Kapelle. Der vermutlich in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts errichtete spätgotische Saal wurde im Jahr 1823, wahrscheinlich nach den Plänen Mattheis, zu einer schlichten Halle im klassizistischen Stil umgebaut. | Zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts, erneuert durch Matthei 1823 | 39859 |
![]() weitere Bilder |
Evangelische Kirche Orferode | Martinstraße Lage Flur: 8, Flurstück: 50/3
|
In der Mitte der Längsseiten akzentuiert ein leicht aus der Mauerflucht heraustretender Risalit mit dem Portal die Fassade. Das Gebäude bedeckt ein Walmdach mit einem achtseitigen Dachreiter. Der nach Mattheis Plänen gestaltete Innenraum gilt als „entstellt“, nachdem bei Umbauarbeiten im Jahr 1968 eine Wand eingezogen wurde. | 1823 bis 1825 | 40538 |
![]() weitere Bilder |
Evangelische Kirche Frankershausen | Bachstraße 17 Lage Flur: 11, Flurstück: 32/3
|
Das ursprüngliche Schiff der Wehrkirche wurde im Jahr 1827 abgebrochen und durch einen Neubau nach Entwürfen Mattheis ersetzt. Das äußere Erscheinungsbild des Gebäudes prägen der Turm mit frühgotischem Kern und der klassizistische Portikus, dessen Architrav von dorischen Säulen getragen wird. | 1827/28 | 37893 |
![]() weitere Bilder |
Evangelische Kirche Küchen | Meißnerstraße 1 Lage Flur: 9, Flurstück: 362
|
Für den Platz, auf dem zuvor eine im Lauf der Zeit baufällig gewordene Kirche stand, entwarf Matthei einen würfelförmigen quergelagerten Saalbau aus unverputztem rötlichen Sandstein. Die nach Süden ausgerichtete Hauptfassade, wird durch einen aus der Mauerflucht vorspringenden Mittelrisalit akzentuiert. Der darüber aufsteigende Fassadenturm, der die südliche Hälfte des Walmdaches einnimmt, bildet mit seinem achteckigen Aufsatz mit vier umlaufenden Ädikulä und der glockenförmigen Haube den markanten Abschluss. | 1827 | 40981 |
![]() weitere Bilder |
Evangelische Kirche Markershausen | Osterlochweg 4 Lage Flur: 5, Flurstück: 12
|
Nach Mattheis Plänen entstand ein schlichter, fast quadratischer Fachwerkständerbau, der von einem Walmdach bedeckt wird, dem ein achteckiger, verschieferter Dachreiter mit einer glockenförmigen Haube aufsitzt. Als Besonderheit wird im Innenraum der hohe Baldachin an der Chorwand aus dem Vorgängerbau angesehen sowie die flankierenden zweigeschossigen, bis zur Decke reichenden Patronatslogen. | 1828 | 38060 |
![]() weitere Bilder |
Evangelische Kirche Rittmannshausen | Raiffeisenstraße 3 Lage Flur: 4, Flurstück: 69/6
|
Unmittelbar nach dem Abbruch der kleinen Vorgängerkirche im Frühjahr 1828 wurde noch im gleichen Jahr der blockhafte klassizistische Saalbau an den an den massiven Wehrturm aus dem 14. Jahrhundert nach den Plänen Mattheis angefügt. | 1828 | 38486 |
![]() weitere Bilder |
Evangelische Kirche Stadthosbach | Holunderweg 2 Lage Flur: 3, Flurstück: 35/1
|
Für den erhöht liegenden Platz in der Dorfmitte, auf dem auch schon vorher eine Kirche stand, entwarf Matthei einen klassizistisch geprägten Querbau mit Dachturm, der nahezu baugleich mit der Kirche in Küchen war, die kurz zuvor, in den Jahren von 1827 bis 1828, nach seiner Konzeption entstand. | 1829/30 | 38673 |
![]() weitere Bilder |
Evangelische Kirche Aue | Kirchrain 5 Lage Flur: 7, Flurstück: 221/4
|
An den mittelalterlichen Chorturm wurde der Saalbau nach den Plänen Mattheis nicht mit einem Sandsteinquadermauerwerk angefügt, sondern mit einem Hausteingefüge, um das Schiff in der Materialwahl dem Turm anzugleichen. Besonders auffallend sind die mächtigen Strebepfeiler des Turms und die Holzfachwerkkonstruktion des Turmobergeschosses. | 1831/32 | 39019 |
![]() weitere Bilder |
Evangelische Kirche Laudenbach | Am Kirchhof 5 Lage Flur: 7, Flurstück: 173/1
|
Als ältestes Teil der Kirche wird das romanische Untergeschoss des Turmes angesehen, das wahrscheinlich um die Mitte des 13. Jahrhunderts entstand. Das später aufgesetzte Obergeschoss ist spätgotisch. Der Turmabschluss mit verschieferter Glockenstube und Laternenhaube wird auf 1669 oder 1692 datiert. Nach Mattheis Plänen wurde das Schiff erhöht und im Norden erweitert. Anstelle der kleinteiligen Fenster wurden hohe Fenster mit einem Segmentbogenschluss eingebaut | Die Bauzeit der heutigen Kirche kann nur geschätzt werden. Die erste Erwähnung einer Kirche stammt aus dem Jahr 1397. Umgestaltung des Schiffs durch Matthei 1836 und 1837. | 40576 |
![]() weitere Bilder |
Evangelische Kirche Langenhain | An der Kirche Lage Flur: 7, Flurstück: 17
|
Für den Platz in der Nähe des Angers entwarf Matthei einen würfelförmigen Bau, der mit unverputzten Sandsteinen errichtet wurde, den ein Walmdach bedeckt, auf dem ein Dachreiter aufsitzt. Der Eingang ist in der Mitte der nach Westen orientierten Hauptfassade. | 1837 | 39106 |
![]() weitere Bilder |
Evangelische Kirche Oetmannshausen | Streibeleinstraße 6 Lage Flur: 6, Flurstück: 171/4
|
Die Kirche ist von gleicher Anlage, auch im Inneren, wie die in Langenhain. Auf den Quersaal mit seiner zweigeschossigen Fensteranordnung wurde ein fassadenseitiger Dachreiter gesetzt. | 1837/38 | 39126 |
![]() weitere Bilder |
Ehemalige Synagoge, heute Neuapostolische Kirche Eschwege | Vor dem Berge 4 Lage Flur: 49, Flurstück: 124/1
|
Den zweigeschossigen, fast quadratischen Hallenbau bedeckt ein Walmdach. Die markanten vier Sandsteinsäulen vor dem Portal im Mittelrisalit, die auf dem Eingangspodest ruhen, tragen einen Dreiecksgiebel mit einem Balkenfries. Die ehemalige Synagoge ist 1938 bei den Novemberpogromen verwüstet worden. Im Jahr 1954 erwarb die Neuapostolische Kirche das Gebäude, die den Innenraum mit umfangreichen Renovierungsarbeiten veränderte. | 1837/38 | 39606 |
![]() weitere Bilder |
Evangelische Kirche Lüderbach | Eichenbergstraße 14 Lage Flur: 3, Flurstück: 15/2, 17/1
|
Der langgestreckte Saalbau mit dreiseitigem Schluss wird von einem Mansarddach mit Dachreiter bedeckt. Der Chor in seiner heutigen Form entstand 1500, die hölzerne Tonnendecke wurde 1785 eingezogen. Der Innenraum ist nach den Plänen Mattheis in den Jahren 1837 und 1838 eingerichtet worden. | Die Bauzeit der Kirche kann nur geschätzt werden. Im westlichen Teil hat sich noch romanisches Mauerwerk eines ehemaligen Wehrturmes erhalten. | 38446 |
![]() weitere Bilder |
Evangelische Kirche Frankenhain | Bei der Kirche 6 Lage Flur: 9, Flurstück: 87/2
|
Dem im Kern frühgotischen Chorturm mit einer Haubenlaterne aus dem 18. Jahrhundert lagerte Matthei einen klassizistischen Quersaal vor. Das schlichte, zweigeschossige Gebäude entsprach mit der Anordnung der Kanzel und der umlaufenden Empore den Vorgaben für eine protestantischen Pfarrkirche aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. | 1838 | 37821 |
![]() weitere Bilder |
Evangelische Kirche Rommerode | Friedrichsbrücker Straße 1 Lage Flur: 9, Flurstück: 16/1
|
Der würfelförmige Bau mit einem Fassadenturm an der westlichen Seite wurde mit unverputzten, rötlichen Sandsteinen errichtet. Der schlichte Saal mit Flachdecke und umlaufender Empore im Inneren entsprach den Anforderungen an eine auf die Wortverkündigung ausgerichteten protestantischen Kirche der damaligen Zeit. | 1838/39 | 40592 |
![]() weitere Bilder |
Evangelische Kirche Eichenberg | Kirchplatz 8 Lage Flur: 1, Flurstück: 1
|
Die Kirche besteht aus einem würfelförmigen Schiff und einem in der Mitte der westlichen Seite vorgelagerten Kirchturm. Den achteckigen Oberbau des Turmes schließt ein spitzes, schiefergedecktes Pyramidendach ab. Das Kirchenschiff wird von einem nach Osten abgewalmten Satteldach bedeckt. Im Inneren wird der fast quadratische Saal von einer dreiseitigen Empore umzogen und mit einer kassettierten Flachdecke nach oben geschlossen. | 1840 | 41154 |
![]() weitere Bilder |
Evangelische Kirche Marzhausen | Ziegelstraße Lage Flur: 5, Flurstück: 25
|
An der Stelle einer älteren Vorgängerkirche wurde der Saalbau mit einem über dem Chor abgewalmten Satteldach und einem achtseitigen, verschieferten Dachreiter über der Fassade errichtet. Die hohen Rundbogenfenster an den Längsseiten werden von Blendnischen mit Rund- und Schlüssellochfenstern eingerahmt. Über dem Portal in der Fassade wurde dekorativ ein großes Rundfenster eingesetzt. | 1847 | 41180 |
![]() |
Evangelische Kirche Dohrenbach | Kirchweg 3 Lage Flur: 7, Flurstück: 48
|
Die alte Dorfkirche wurde im Jahr 1853 abgebrochen und innerhalb eines Jahres wurde die neue am gleichen Platz errichtet. Nicht wie bei Matthei üblich mit roten Sandsteinen, sondern als Fachwerkkirche mit einem in das Schiff eingestellten Fassadenturm. Als Schutz gegen Wettereinflüsse bekamen die Seiten danach einen Ziegelbehang. | 1854 | 41395 |
![]() weitere Bilder |
Evangelische Kirche Hebenshausen | Kirchstraße 1 Lage Flur: 8, Flurstück: 96/10
|
Die ehemalige Wehrkirche wurde mit Bruchsteinen errichtet und mit einer starken Eckquaderung versehen. Die dreiteiligen Schallarkaden und die Laternenhaube des viereckigen Turms wurden von Matthei geplant und 1831 ausgeführt. Ebenfalls wurden im Jahr 1831 das Schiff mit dem dreiseitig geschlossenen Chor umgebaut, an der Südseite ein neuer Eingang geschaffen und die hohen Fenster eingesetzt. | Der Turm vermutlich um 1400, das Kirchenschiff wohl um 1773 (nach einer Aufschrift an der Empore). | 41107 |
Literatur
- Fritz Rossberg: Auf den Spuren des Landbaumeisters Matthei, in: Zeitschrift des Vereins für Hessische Geschichte und Landeskunde, Bd. 47 (2006), S. 39–41.
- Ulrike Schubert: Ein Kirchbaumeister mit praegendem Einfluss. Zum Wirken des Architekten Johann Friedrich Matthei, in: Eschweger Geschichtsblätter, Bd. 2 (1991), S. 23–29.
- Ulrike Schubert: Querkirchen von Johann Friedrich Matthei im Werraland, Frankfurt a. M., 1988, masch. Magisterarbeit. - 180, IX S. : Ill.
- Magnus Backes (Bearb.): Dehio - Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Hessen, Deutscher Kunstverlag, Berlin und München 1982 (2. bearb. Aufl.), S. 966 (Register, Verzeichnis der Werke von Matthei im Bundesland Hessen).
- N.N.: (Amtliche Nachricht zur Versetzung in den Ruhestand), in: Zeitschrift für Bauwesen, 21. Jg. (1871), Heft 1, S. 6. - "Beurlaubt sind: / (...) / der Land-Baumeister Matthei zu Witzenhausen (Reg.-Bez. Cassel)".


.jpg)


.jpg)

.jpg)
.jpg)

_im_Werra-Mei%C3%9Fner-Kreis.jpg)
_im_Werra-Mei%C3%9Fner-Kreis.jpg)
.jpg)


_im_nordhessischen_Werra-Mei%C3%9Fner-Kreis_(1).jpg)




