Palazzo della Prefettura (Salerno)

Der Palazzo della Prefettura (auch Palazzo di Littorio oder Palazzo del Governo) ist ein Palast aus den 1940er-Jahren an der Via Roma, 203, im Westen von Salerno in der italienischen Provinz Kampanien. Er liegt in der Nähe des Palazzo di Città.[1]
Geschichte
“Nell’anno XV, la più bella aspirazione del Fascismo Salernitano sarà realizzata: il palazzo del Littorio, che accoglierà in degna sede monumentale - le cui linee architettoniche recheranno l’impronta del tempo fascista gli Uffici della Federazione dei Fasci di Combattimento e di tutte le organizzazioni da essa direttamente dipendenti...“
(dt.: „Im Jahre [19]15 sollte die schönste Streben des Faschismus Salernos realisiert werden: der Liktorenpalast, der einen würdigen, monumentalen Ort darstellen sollte – dessen architektonische Linien die Prägung der faschistischen Zeit den Büros der Liktorenkampfvereinigung und allen Organisationen, die direkt mit ihr in Verbindung stehen, verleihen sollten...“)[2]
So wurde im Oktober 1936 der Bau des neuen Gebäudes im offiziellen Organ der Partei, Il Popolo Fascista, in Salerno angekündigt. Es war das letzte Werk eines 15-Jahres-Zeitraumes, in dem gemäß einem Expansionsplan, der Salerno als eine der ersten Städte des faschistischen Regimes ausgewiesen hatte, ein Komplex an öffentlichen Gebäuden geschaffen wurde. Tatsächlich wurden der Palazzo di Città und der Palazzo di Giustizia gerade fertiggestellt und es wurden bereits die letzten Gebäude auf den Grundstücken des Regelungsplanes L’Opera della Spiaggia gebaut.
Das Ziel jener Jahre war mit der Verlegung der Eisenbahngleise hangaufwärts die Durchführung eines Regelungsplanes, der folgendes vorsah: „Das Grande Salerno mit seiner imposanten Küstenlinie, seinem großartigen Strand, seinem großen Gartenviertel, seiner Entwicklung, definitiv im schönen, östlichen Bereich...“.
Das zunächst für den Bau gewählte Grundstück befand sich im östlichen Bereich der Stadt, entsprechend dem Vorhaben, ein Grande Salerno östlich des Flusses Irno zu schaffen. Der gewählte Bereich war der der alten Gerberei Abbagano am rechten Ufer des Irno, zum Meer hin und vor dem Bahnhof. Das Projekt wurde von einem sehr jungen Architekten aus Pagani, Alfonso Amendola, realisiert. Dieser hatte ein Gebäude mit zwei Stockwerken vorgesehen, die Hauptfassade zum Meer hin, wobei er annahm, dass der Lungomare Trieste bis zur Mündung des Irno verlängert würde. Im westlichsten Teil des Gebäudes sollte sich der Torre Littoria erheben, der mit dem Rathaus verbunden hätte werden müssen, das zum Lungomare Trieste hinzeigte. Das interessante, ursprüngliche Projekt sah eine große, überdachte Fläche vor, die man aus der Überdachung des Flusses, der Brücke über die Via Nazionale nach Battipaglia bis zur Küstenfront gewonnen und so ein großes Gebiet geschaffen hätte, das zur Piazza delle Adunante geworden wäre. Wegen der Schwierigkeiten durch die mangelnde Verfügbarkeit des Geländes und einer größeren Zusammenballung mit den anderen, repräsentativen Gebäuden (der Architekt Guerra sollte den Palazzo di Città fertigstellen) wurde das Projekt jedoch im westlichen Teil der Stadt realisiert.
Man nutzte einen Teil der Villa Comunale (Stadtpark) und man konnte dort nicht über ein weitläufiges Gelände verfügen; so wurde das Projekt des Liktorenpalastes in seiner überbauten Fläche wesentlich reduziert und gewann gleichzeitig an Höhe. Auch der Turm, für den an seiner Basis ein Schrein, wie er in der wiederkehrenden Liktorentypologie vorgesehen ist, geplant war, musste in seinen Dimensionen vergrößert werden. Der Architekt Amendola nutzte die Gelegenheit, um das Projekt wesentlich zu verbessern, und schuf unter Berücksichtigung der neuen Einschränkungen intelligent eine Durchgangszone im Erdgeschoss, um einen praktischeren Zugang vom Gelände des neuen Palazzo di Città zur Villa Comunale und zum Gelände der Grundschule Barra zu ermöglichen.
Man erhielt einen Eingang vom Meer aus, wie es im Projekt am Irno vorgesehen war, aber von geringerer Bedeutung, und die Haupteingänge wurden zur heutigen Piazza Amendola hin verlegt, wodurch der fünfte Teil dieses großen, öffentlichen Raumes auf der Südwestseite geschlossen wurde.
Der Liktorenpalast musste der Planung nach alle Büros der Federazione dei Fasci di Combattimento del G.U.F., des Comando Federale dei Fasci Giovanili, der Fasci Femminili, des Fascio di Salerno und der mit der Partei verbundenen Vereinigungen enthalten.
Das Gebäude hatte an den beiden Hauptfassaden interessante Friese mit den faschistischen Insignien aus glasierter Keramik, die allerdings in den Phasen der Umbauten nach dem Krieg verlorengegangen sind. Leider verlor der Architekt Amendola, der den Truppen in den Russlandfeldzug folgte, sein Leben, ohne sein Werk vollendet zu sehen. Eine qualifizierte Gruppe von Technikern realisierte das Projekt von Amendola: Die Bauingenieure Luigi de Angelis und Mario Ricciardi als Leiter der Arbeiten, und der junge Napoleone Marano als Buchhalter. Die ausführende Baufirma war Loy-Donà & Brancaccio, die bereits in Neapel für öffentliche Bauvorhaben gearbeitet hatte. Der Bau wurde im Krieg fortgeführt und der Turm, der häufig auf Bildern zu sehen ist, wurde in der Hoffnung getarnt, Luftangriffen zu entgehen. Sicherlich war dies nicht der Grund, aus dem das Gebäude die Bombardierungen von Salerno überstand. Nach der Landung der Alliierten in Salerno wurde der Palast besetzt und später Sitz der Präfektur, die vom Palazzo Sant’Agostino, dem Sitz des Polizeipräsidiums und des technischen Büros des Finanzamtes, übersiedelte.
In den Innenräumen des Palazzo della Prefettura sind auch heute noch interessante Einrichtungen, die von De Angelis im Stil des Gebäudes entworfen wurden, erhalten. Bedauerliche Umbauten in letzter Zeit führten definitiv zum Verfall des Gebäudes; in den 1960er-Jahren wurde der Turm von der Baubehörde der Stadt Salerno wesentlich verändert. Neben der erwähnten „Säuberung“ der Keramikfriese waren die Schließung des Durchgangs im Erdgeschoss und die kürzliche Verlegung glänzender Fußbodenbeläge sowie die Verkleidung aus Granit die tiefgreifendsten Eingriffe.
Beschreibung
Das Gebäude unterscheidet sich vollkommen von dem ursprünglichen, faschistischen und klassizistisch inspirierten Modell, für das der benachbarte Palazzo di Città ein Beispiel ist. Der neue faschistische Baustil ist dagegen durch schlanke und wesentliche Linien gekennzeichnet. Das Gebäude hat U-Form im Dialog mit dem charakteristischen und bereits vorher existierenden, runden Blumenbeet mit „Palmenbrunnen“ der Villa Comunale, der mit dem Hintergrund der Vorhalle abschließt.
Die Fassade zur Via Roma zeigt auf einer Seite durch Betonpfeiler gestützte Rundbogenarkaden und auf der anderen rechteckige und quadratische Öffnungen. Der Haupteingang liegt an der Piazza Amendola und hat eine Kreuzgewölbedecke, ursprünglich gefolgt von einer Vorhalle, einem Element großen städtebaulichen Wertes, das den Lungomare Trieste und die Villa Comunale verband und dessen Zugang vom Platz her in den 1970er-Jahren unerwartet geschlossen wurde.
Im Erdgeschoss des Gebäudes, am Fuße des Turmes, befindet sich das Sacrario alle Medaglie d’oro dei Caduti di guerra. Dies ist ein großer Saal mit Gewölbedecke, verkleidet mit Marmor, in dem sich ein Marmorrelief befindet, auf dem eine nackte, männliche Figur abgebildet ist, die ein langes Schwert hält, ein Werk des Bildhauers Francesco Saverio Paolozzi.
Einzelnachweise
- ↑ La Prefettura di Salerno. In: Prefettura.it. Archiviert vom am 14. März 2013; abgerufen am 29. Oktober 2025 (italienisch).
- ↑ Il Popolo Fascista. Oktober 1936.
Weblinks und Quellen
- Il Palazzo del Governo. In: Prefettura – Ufficio Territoriale del Governo di Salerno. Ministero dell’Interno, abgerufen am 30. Oktober 2025 (italienisch).
- Palazzo di Governo. Comune di Salerno, abgerufen am 30. Oktober 2025 (italienisch).
- Palazzo della Prefettura – Centro 1, Salerno. Fondo per l‘Ambiente Italiano – FAI, abgerufen am 30. Oktober 2025 (italienisch).
- Il Palazzo del Governo. In: Prefettura – Ufficio Territoriale del Governo di Salerno – Sito storico. Ministero del’Interno, abgerufen am 30. Oktober 2025 (italienisch).
Koordinaten: 40° 40′ 42,5″ N, 14° 45′ 17″ O